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Die Versuchungen des Nordens

Diese ganze positive Bewegung müsste uns und alle die, die seit Jahren an die Wiedergeburt des Südens glauben, eigentlich freuen. Doch sie birgt auch Gefahren. Denn im Süden ist tatsächlich alles möglich und machbar: Weine jeder Sorte, jeder Couleur, jeder nur denkbaren Art - und erst noch im Einklang mit der Natur! «Bio ist heute zwar nur eine Nische, morgen aber eines der wichtigsten Verkaufsargumente. Und nirgendwo lässt sich naturnäher produzieren als im Süden. Wie der Weinbau der Zukunft aussehen könnte, exerzieren (einmal mehr) die Südfranzosen vor. Nur ein Bruchteil ihrer Rebfläche dient heute der Produktion von grossen, qualitätsorientierten Weinen. Auf dem ganzen Rest (immerhin sind es total über 300'000 Hektaren, also etwa ein Drittel der französischen Rebfläche überhaupt, dreimal so viel wie die Rebfläche in Deutschland oder Griechenland) wird Landwein erzeugt, immer mehr in Form von Sortenwein.

Das Languedoc hat - und das ist ihm gutzuhalten - die Umstellung vom falsch bestockten, überalterten, schlecht unterhaltenen, übel organisierten Massenweingebiet zum modernen, nach industriellen Gesichtspunkten angelegten Weinplantagen-System in Rekordzeit geschafft. Die Weine, die in den Weinfabriken des Südens produziert werden, genügen höchsten hygienischen und technischen Ansprüchen. Die Lebensmittelmultis und Grossverteiler finden hier Wein nach Mass in jeder nur wünschbaren Kategorie. Grossinvestoren werden von den neuen Möglichkeiten angezogen wie Fliegen vom Honigbrot. Die Mondavis kaufen im Languedoc Sortenwein ein und die meisten bordelaiser Handelshäuser, die heute fast alle Rebsortenweine anbieten, allen voran die Philippe de Rothschild SA (Mouton), der zusätzlich in eine Domaine im Languedoc investiert hat. Australische Winemakers lassen Trauben in Kühlfliegern in den fünften Kontinent verfrachten. Morgen wird solches in Sizilien, in Marokko, in Tunesien oder in der Levante geschehen. Weine der neuen Welt als Konkurrenz zu Piemont, Bordeaux und Burgund? Kalter Kaffee. Die neuen Konkurrenten kommen aus eigenen Landen.

Mehr als anderswo wird es im Süden in den nächsten Jahren eine «viticulture à deux vitesses» eine Weinszene mit «zwei Geschwindigkeiten» geben. Die eine verschreibt sich der Qualität und wird versuchen, ihre Erkenntnisse zu vertiefen, sich mit alten Sorten zu beschäftigen, einer Önologie des Terroirs zu folgen. Die andere wird die Möglichkeiten der industriellen Produktion ausreizen bis zum letzten. Wer nicht auf den einen oder den anderen Zug aufspringt, wird auf der Strecke bleiben, und die Gefahr ist gross, dass der leistungsorientierte Rebbau den qualitätsorientierten an die Wand drückt und aushungert, wie das im Bereich der Landwirtschaft passiert. Wir können angesichts dieser Entwicklung nur hoffen, dass die wirklichen, die qualitativen Kapazitäten des Südens vor den quantitativen Anerkennung finden. Die Box auf dieser Seite ist als Zusammenfassung der Möglichkeiten des südlichen Weinbaus gedacht, als eine Art Maxime. Keine Science fiction, sondern aufblühende Realität!

www.vinum.info - Europas Weinmagazin
Rolf Bichsel 05/2000




Weingut am Mittelmeer Terroir

Ausdruck aus dem Französischen für Boden und Klima als ökologisches Ganzes.



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