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Die Mär von der gleichmacherischen Sonne

«Die südliche Sonne vermindert den Einfluss des Terroirs. Alle Trauben werden gleichmässig reif. Darum ist der Faktor Terroir im Süden vernachlässigbar und tritt hinter den Faktor Klima zurück.»

Kaum zehn Jahre ist es her, war dieser Satz an einem Kolloquium über Weinbau in Bordeaux zu hören. Im Klartext will das heissen: die grossen Terroirs liegen allesamt in den nördlichen Gebieten in Bordeaux, dem Burgund, der Champagne, der Mosel, dem Rhein, jedenfalls aber ausserhalb der Zone des Olivenbaums.

Die Behauptung, wie sie noch heute in vielen Önologenköpfen spukt, illustriert aufs schönste eines der Hauptprobleme des Südens: die Einseitigkeit der Optik. Denn sie ist nicht einmal ganz falsch. Würde man die südliche Sonne nach Bordeaux verfrachten, wäre das Resultat wohl effektiv so ähnlich, wie das die oben zitierte Behauptung wahrhaben will. Bloss spielen im Süden (mehr vielleicht als anderswo) noch ganz andere Faktoren mit als einzig die Sonne. Da ist einmal die Höhe über Meer, die Ausrichtung, die Einflüsse des Windes, der Regen.

Man tut dem Süden besonderes Unrecht, wenn man ihn mit der Messlatte des Nordens misst. Dies aber ist jahrzehntelang geschehen. Französische Weinwissenschaftler beraten seit dreissig Jahren und länger Weinbauern im Süden des Landes, aber auch in Marokko, im Libanon, in Griechenland und Italien. Sie wurden nicht selten in Bordeaux oder in Dijon ausgebildet und haben versucht, das anzuwenden, was sie bei sich zu Hause gelernt haben.

Dass sie dies nach besten Wissen und Gewissen taten, sei gar nicht bestritten. Doch die Resultate waren entsprechend und zementierten nur alte Vorurteile. Zugute zu halten ist den Weintechnikern immerhin, dass sie bei aller Standardisierung die Basisqualität verbesserten. Doch taten sie (zumindest in einer ersten Phase) wenig, um Eigenschaften wie Typizität und Terroircharakter zu fördern. Das hat sich heute stark geändert, nicht zuletzt dank einer erstarkten Position der Forschungsstätten besonders in Spanien, in Italien und im Süden Frankreichs. Mehr und mehr geht die Önologie im Süden ihren eigenen Weg. Man beschränkt sich nicht mehr einfach darauf, stumpfsinnig die Rezepte des Nordens im Süden anzuwenden. Man adaptiert sie geschickt und entwickelt sie pausenlos weiter.

«Die besten Terroirs des Südens», so Pascal Frissan, Historiker und Weinbauer im Minervois (Languedoc-Roussillon) «liegen vielleicht noch irgendwo unter dem Wald verborgen.» Dokumentieren lässt sich diese ketzerische Theorie durch die Erfolgsgeschichte eines Gutes, das lange als Pionier des modernen Qualitätsweinbaus im Süden Frankreichs galt.

www.vinum.info - Europas Weinmagazin
Rolf Bichsel 05/2000




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