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«Mondovino» - die Welt des Weines

Wo bleibt die Seele des Weins?

Die Bösen hocken in Amerika und werfen Millionen Flaschen globalisierten Weins auf den Markt. Die Guten sind einfache Weinbauern, die brav ihr Terroir beackern. Der Film «Mondovino» polarisiert.

Handkamera ist ihm wohl gesinnt. Sie schwenkt aufs zerfurchte Gesicht des Battista Columbu, der auf seinen 1,5 Hektar Rebland steht und erzählt, dass in dieser Erde immer schon der Malvasia gewachsen ist. Battista ist ein integrer Mann, der «in Anstand und Demut auf unserer Erde leben» will und gilt als der «einzige sardische Lokalpolitiker, dessen Haus am Ende seiner Laufbahn noch genau so gross war wie am Anfang». So lernt man ihn im Film «Mondovino» kennen. Und lieben.

Der Bösewicht

Die Handkamera ist gnadenlos. Sie entlarvt das stereotype Grinsen, den Aktivismus des weltweit führenden und dauernd telefonierenden Weiningenieurs Michel Rolland. Sie begleitet ihn ohne Kommentar, wenn er von Weingut zu Weingut hetzt, fünf Minuten in den Keller schaut, überall eine «Mikro-Oxydierung» anordnet, also ein Aufpumpen der Jungweine im Fass, um den Geschmack abzurunden. Michel Rolland ist ein aalglatter, geschäftstüchtiger Wein-Manager, der die Weine dieser Welt nach seinem persönlichen Strickmuster prägen will. So lernt man den «Flying Weinmaker» im Film «Mondovino» kennen. Und hassen.

Das Pamphlet

«Mondovino» des US-Regisseurs Jonathan Nossiter ist ein Film über die Welt des Weins. Und er ist ein Pamphlet gegen dessen Globalisierung. Er ist – wie es sich für ein Pamphlet auch geziemt – tendenziös, einseitig, klischeehaft. Die guten, kleinen Weinmacher stehen im sonnigen Rebberg und weisen mit weiter Handbewegung auf das Land ihrer Väter, das sie fleissig bewirtschaften. Die bösen Önologen und Grossfirmenbosse wie die Familie Mondavi oder die Antinoris werden in vor Sauberkeit spiegelnden Kellern und Labors gezeigt, oder in üppig ausgestatteten Villen. Die Aussage des Films ist von vornherein klar. Man merkt die Absicht sehr bald – aber ist nicht verstimmt, sondern gefesselt. Nossiter dokumentiert seine Geschichte über Winzer, Weine und den Weltmarkt geschickt und spannend. Und er macht die Zusammenhänge zwischen Marktstrategen, hochbezahlten Önologen und korrupten Weinbenotern durchschaubar. Denn es kann, so suggeriert Nossiter, ja kaum Zufall sein, dass Michel Rolland, der 400 Weingüter in zwölf Ländern berät, und Michael Parker, der Welt einflussreichster Weinkritiker, dessen Benotungen die Kassen unweigerlich klingeln lassen, seit vielen Jahren eng befreundet sind. Diese Allianz machte zum Beispiel den «Garagewein» von Château Valandraud in St-Émilion 1991 praktisch über Nacht zum überteuerten Starwein.

Die Gegenspieler

Durch und durch integer tritt Hubert de Montille auf, dessen Charakterkopf – nein, es ist nicht Hitchcock – das Filmplakat ziert. In Volnay und Pommard wachsen seine eigenwilligen, lange reifenden Weine, ähnlich kantig wie er selber, der «Blender, Bluffer und Huren», wie er «gemachte» Weine nennt, verabscheut.

Michel Rolland und die von ihm beratene Familie Mondavi haben einen direkten und erbitterten Gegenspieler. Es ist der Winzer Aimé Guibert aus Aniane, einem Languedoc-Dorf in der Nähe von Monpellier. Als Besitzer des Weinguts Daumas-Gassac war er – zusammen mit dem kommunistischen Bürgermeister – die treibende Kraft, dass sich die Gemeinde den Plänen der Familie Mondavi widersetzte, die zwei Hochplateaus roden und Wein anbauen wollte. «Das ist engstirnig», zeigt sich Michael Mondavi erzürnt und ortet «Angst und Neid» im Languedoc. Mehr Glück haben die Mondavis in Italien, wo sie der Familie Antinori den «Super-Tuscan» Ornellaia abkaufen konnten. Was der Film nicht mehr zeigen konnte, weil ihn die Aktualität überrundet hat: Die Familie Mondavi wurde nach den Dreharbeiten selber ein Opfer der Globalisierung. Sie musste ihre gesamte Gruppe an den Konkurrenten Constellation Brands verkaufen.

«Mondovino» - die Welt des Weines, der Dokumentarfilm von Jonathan Nossiter, war offizieller Wettbewerbsbeitrag der Filmfestspiele Cannes 2004. Er läuft in Bern ab nächstem Donnerstag, 19. Mai.

Berner Zeitung 16.05.2005



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