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Ungarischer Wein ist besser als sein Ruf

Ein Mangel an zielorientierten Regierungsinvestitionen, um den schlechten internationalen Ruf der ungarischen Weine zu bekämpfen, bedroht die Zukunft der ganzen Branche. Davor warnten ungarische Weinexperten auf einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche. «Seit 1990 hat sich nichts verändert. Wir sind immer noch am Nullpunkt in Fragen des Marketings, und wir sind unzufrieden mit der Unterstützung der Regierung. Sie investiert schlicht zu wenig», sagte István Muller, Geschäftsführer des Tarcali Weinforschungsinstitutes. Aus Sicht der Experten leiden die Weinindustrie und vor allem der Export in die westlichen Länder immer noch unter dem Nachkommunismus-Effekt. Hier seien hohe Geldinvestitionen vonnöten, um Änderungen zu bewirken.

«Uns fehlen 50 Jahre. Ein Blick in die österreichische Grenzregion, wo der Blaufränkische hergestellt wird, offenbart einen gewaltigen Qualitätsunterschied. Österreichs Wachstum war organisch, unser Wachstum wurde dagegen vom Kommunismus unterbrochen. Die verlorene Zeit kann man nicht mit Geld aufwiegen, die Regierung sollte es aber zumindest versuchen», sagte Muller. Gegenwärtig stammt das meiste Geld für Marketingaktionen von der staatlich geleiteten, gemeinnützigen Organisation Agrármarketing Centrum Kht. Vergangenes Jahr investierte die Organisation über 1Mio. Euro, um Produzenten wettbewerbsfähiger zu machen und einen Markennamen aufzubauen. Die Weinbauer finden diesen Betrag zu niedrig, und er kommt ihnen auch zu spät.

Um die Situation zu verbessern, gründete ein Konglomerat von verschiedenen Organisationen unter anderem die Ungarische Weinakademie und die Vereinigung der ungarischen Weinproduzenten, eine eigene nicht profitorientierte Marketingfirma mit dem Namen Bormarketing Kht. Bis jetzt hat die Marketingfirma noch keine Unterstützung erhalten, doch sie erwartet, dass sie nächstes Jahr von Agrármarketing Geld bekommen wird, und hofft, dass die Verbrauchersteuer von momentan 8 Ft pro Liter Wein in Zukunft als Unterstützung in den Marketingfond fliessen werden. Die 13.000 Weinproduzenten in Ungarn sollten mehr Geld ins Marketing investieren, doch die Experten kritisieren, dass 80% des ungarischen Weins in den Supermarkthandel gehen und die einzelnen Ketten die Profite der Produzenten drücken. «Die Ketten machen die Preise, sie geben die Richtlinien und die Listenpreise vor. Die Produzenten bezahlen dann für einen Platz im Regal. Die Profite für die Produzenten bleiben so zu gering und das Geld kann nur in die Produktion zurückfliessen», sagt Szilasi. Jedes Extra-Geld müsste aber in die Imagepflege fliessen, um die Westeuropäer von den Vorurteilen über ungarische Weine abzubringen, die noch aus dem Kalten Krieg stammen.

Nach István Szilasi, dem Auslandsvertreter der Vereinigung der ungarischen Weinproduzenten, liegt das an dem System der Kommunisten, die nur gute und schlechte Qualität kannten. Nach einer prosperierenden Periode Anfang der 90er Jahre, als es angesagt war, Wein aus der jungen ungarischen Republik zu trinken, sinken die Exporte nun stetig. «Bis 1990 produzierten wir 15 Mio. Hektoliter für die Sowjetunion. Letztes Jahr exportierten wir nur 0,7 Mio. Hektoliter. Vor 1990 hatte Ungarn 130.000 Hektar Anbaufläche. Nun sind es nur noch 93.000, von denen auch nur 75.000 bis 80.000 wirklich bewirtschaftet werden», sagte er.

Die Entwicklung weg von der Massenproduktion hat sich als sehr schwierig für die ungarische Weinindustrie herausgestellt, aber die Experten bescheinigen dem ungarischen Wein heute eine hohe Qualitätssteigerung. «Nach 1990 war es so, als würden wir mit einem Trabbi in der Formel 1 starten. Wir mussten der Route folgen und langsam etwas aufbauen. Jetzt haben wir den Motor gewechselt. Die Qualität des Weines ist besser, doch keiner weiss es», sagte Muller. Das Exportgeschäft ist härter geworden, seitdem Weine aus Chile und Australien im Trend liegen, obwohl diese Länder keine so lange und berühmte Weinanbau-Tradition wie Ungarn haben. Gábor Sellyei, ein Weinberater und ehemaliger Repräsentant des ungarischen Weinhandels in New York, sagt über die neuen Produktionsländer: «In Chile hilft die Regierung den Produzenten – mit grossem Erfolg. Vor ein paar Jahren konnte man nirgendwo chilenischen Wein kaufen. Jetzt ist er überall zu haben.»

Die Experten weisen aber darauf hin, dass Ungarn sich hinter diesen Ländern nicht zu verstecken braucht. «Die Karpaten-Region hat so viele verschiedene Böden, während in Australien Tausende von Hektar homogen sind und dort im grossen Stil produziert werden kann. Wir müssen mehr Wert auf Qualität legen und uns spezialisieren», sagte Muller. Nach Ansicht der Fachleute muss nicht nur das Image in den traditionellen Weinländern aufpoliert werden, man sollte sich auch auf den neuen Märkten umschauen. «Ich war vor zwei Jahren in China. Italien, Australien und Südafrika haben dort alle ihre eigenen Weinvermarktungsbüros vor Ort. Sie denken voraus. Die Chinesen trinken noch nicht viel Wein, aber dort leben 1,4 Mrd. potenzielle Kunden. Sie werden zum Wein wechseln, und wir sollten ein Auge darauf werfen», sagte Sellyei.

Michael Logan
Budapester Zeitung 23.05.2005




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