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Jarno Trulli: Der wohl schnellste Weinbauer der Welt

Jeder Formel-1-Pilot hat seine Hobbys, mit deren Hilfe er den Formel-1-Stress abbauen kann. Jarno Trulli ist bekennender Weinliebhaber und stellt seinen edlen Tropfen gleich selbst her. Der Italiener ist in seiner Heimat Besitzer eines Weinbergs in der Region Abruzzo.

Auf der Spitze eines Hügels im Zentrum Italiens sehen wir, wie Jarno Trulli Kirschen erntet. Ja, sie lesen richtig. Die Weinreben sind umgeben von ausgewachsenen Kirschbäumen. Alles nur eine Frage der Dekoration. Italiener haben ein Auge für die Landschaftsgestaltung. Irgendwie verkörpert dieser Weinberg einen gewissen Rhythmus - von den vom Menschen angelegten geordneten Reben bis hin zur Unzivilisiertheit mit den schneebedeckten Spitzen der Apenninen im Hintergrund der Spitze des Bergs.

Jarno befördert die Kirschen abwechselnd in seinen Mund und seinen Korb - keine Frage, er darf das auch. Das sind seine Kirschen, seine Reben und es ist auch sein Land. Der 31-Jährige ist wirklich nicht der einzige berühmte Weinbauer. Es scheint dieser Tage fast zum guten Ton zu gehören, seinen eigenen Wein anzubauen, gerade in Frankreich. Neben Gérard Dépardieu scheint die Hälfte des französischen Showbiz aus Imagegründen ihren eigenen Weinberg zu besitzen.

Bei Jarno ist das mit dem Wein ein wenig anders. Als er im Jahr 2000 das 32 Hektar grosse Land erwarb, da tat er das nicht des eigenen Images wegen. Nein, er kehrte zu den Wurzeln zurück: «Mein Grossvater war ein Weinbauer», erklärt er. In jener Region, wo Jarno vor 31 Jahren das Licht der Welt erblickte, war der Wein das Lebensblut, ein Schlüsselbestandteil ihrer Identität. «Ich brauche diese Verbindung», erklärt Trulli. Vor allem deshalb, weil ihn sein Job manchmal soweit von seiner Heimat fortführt, wie es weiter kaum möglich ist.

Die Rebensorte 'Montepulciano' hat übrigens nichts mit der toskanischen Stadt gleichen Namens zu tun. Der britische Weinkenner Hugh Johnson beschrieb diese Traubensorte einmal als «eine von Italiens geschmackvollsten Rottönen, voll des Aromas und der Wärme». Es ist wohl kein Wunder, dass sich Jarno Trulli als strebender zukünftiger Formel-1-Weltmeister einen edlen Tropfen heraussuchte, statt eines Tages Plastikflaschen mit einem Tafelwein mit seinem Namen bekleben zu müssen: «Ich bin ein Perfektionist. Ich wollte einen Qualitätswein», so Trulli.

Ganz alleine hat sich Jarno Trulli nicht an das «Projekt Weinberg» gewagt. Er baut auf die Unterstützung dreier Freunde und jene seines Vaters Enzo als Verwalter. Eine verwinkelte Hügelstrasse führt zu dem Grundstück empor und gibt den Blick auf eine atemberaubende Landschaft frei. Es mag kitschig klingen, aber man bekommt hier das Gefühl, als haben an diesem Ort vor vielen Jahren die Natur und der Mensch Frieden geschlossen.

Der Weinberg und die dazugehörige Villa gehörten einst einem Professor der Rechtswissenschaften, der Diktator Benito Mussolini während seiner Zeit als Ministerpräsident von Italien (1922-1943) beriet. Ob diese Tatsache den Wein für potenzielle Käufer interessanter macht? «Es ist einfach nur ein starkes Image aus der Vergangenheit», sagt Trulli.

Auch der Name Jarno Trulli auf der Flasche - wenn dieser auch klein und nur auf dem Rücken der Flasche zu sehen ist - wird dem Absatz zuträglich sein. «Wir können wegen meines Rufs von Anfang an verkaufen», so Trulli. «Aber wenn die Weine nicht gut sind, dann werden wir keine mehr verkaufen. Wir müssen die Qualität an das Limit bringen», spricht Trulli ganz im Stile eines Formel-1-Piloten.

Jarno Trulli braucht keine Luxusyacht, von sich selbst sagt er, dass er «ein ruhiger Mann» ist, «der die einfachen Dinge» mag. Und damit meint er nicht Bücher oder Fussballspielen, sondern Pizza und eben das Herstellen eines feinen Weins. Ach ja, fast vergessen, eines Tages will der heutige Toyota-Pilot natürlich auch Formel-1-Weltmeister werden. «Vielleicht schlage ich kommendes Jahr Alonso», meint Jarno Trulli. Darauf sollten wir vielleicht mit einem Gläschen Wein anstossen...

(F1Total.com) 09.08.2005



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