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Italien prickelt!

In der norditalienischen Provinz Treviso gibt es die älteste Weinstrasse des Landes - Auf der Strada del Prosecco

Ganz früh am Morgen, wenn im Herbst oft noch die letzten milchigen Nebelschwaden zwischen den Weinhügeln der Marca Trevigiana tänzeln, bevor ihnen die Sonnenstrahlen das Leben schwer machen, ertönt schon das leise Knipsen der Scheren, hier an der «Strada del Prosecco». Dann stehen oder knien die Weinbauer von Valdobbiadene vor ihren knorrigen, dicht gepflanzten Rebstöcken und schneiden die prall gereiften Proseccotrauben. Lassen sie behutsam in kleine Körbe fallen und lachen, wenn man sie fragt, ob es denn, was den Fremdenverkehr betrifft, immer so beschaulich zugeht. «Nicht immer», sagt Gregorio Bortolin, der Winzer von Cà Salina, «aber wenn alle, die unseren Prosecco trinken, auch hier Urlaub machen würden, hätten wir ein kleines Problem.»

Ringsum scheint der ganze Landstrich schon seit Tagen wie geschwängert von einer Duftwolke aus Traubenaromen. Ein paar Hügel weiter karrt Renato Ruggeri von «Le Colture» schon seine erste Fuhre Trauben in die Kellerei nahe Valdobbiadene, wo der energische Winzer in seinen hohen Gummistiefeln die Pressung überwacht. Bereitwillig erklärt Ruggeri, was dann passiert in seinen zylindrischen Stahltanks und welche Schritte er bei der Versektung beachten muss, um «den Nektar der Götter, so nennen wir unseren Prosecco» zu machen. Währenddessen schlägt der Duft von frisch vergorenem Traubenmost mit narkoseähnlicher Wirkung auf die Sinne.

Die sich im nördlichen Teil der Provinz Treviso erhebenden Hügel des Prosecco liegen nur eine gute Stunde von Venedig entfernt. Seit rund 200 Jahren kultivieren die Weinbauer der Marca Trevigiana die Rebsorte Prosecco in der Hügellandschaft zwischen Valdobbiadene und Conegliano im Nordosten Italiens. Die Weinbauer machten daraus leichte und ehrliche, teilweise auch ansehnliche Weine. Für grosses Aufsehen sorgten aber weder die hier gekelterten Weine noch das kulturlandschaftliche Umfeld.

Erst in den 50er Jahren erwachte die Provinz Treviso zögerlich aus ihrem Dornröschenschlaf. Junge talentierte und Önologen wie Giuliano Bortolomiol und seine Kollegen vom Institut für Weinbau in Conegliano sorgten für Impulse und entwickelten neue Methoden zur Versektung ihrer Weine. Und sie fuhren stolz auf ihren wackligen, alten Motorrädern durch das Anbaugebiet und machten Werbung für ihren Prosecco. Heute bestellen mehr als 3000 Winzer das fruchtbare Land auf einer Fläche von knapp 4000 Hektar.

Zu den ersten und zugleich prominentesten Vertretern, die sich Anfang der 60er Jahre begeistert vom Prosecco und seiner Hügellandschaft zeigten, gehörten Marcello Mastroianni und Federico Fellini. «Die beiden waren von Anfang an sprachlos», erzählt der Schriftsteller Cino Boccazzi, «wir haben uns seitdem jedes Jahr wieder in den Hügeln getroffen.»

Inzwischen trinken vornehmlich die Deutschen, gerade noch überflügelt von den Italienern selbst, in so rauhen Mengen Prosecco, als stünden kaum andere Nahrungsmittel zur Wahl. Nur fahren komischerweise die wenigsten dahin, wo die gelobten Trauben samt Schaumwein herkommen.

Selbst auf die an Reizüberflutung gewöhnten Italien-Urlauber wirkt die Hügellandschaft des Prosecco wie ein kleines Schlaraffenland, nämlich dann, wenn man bemerkt, dass es sie doch noch gibt, diese leicht verwunschenen, wenig ausgebeuteten Gegenden, selten zwar, aber es gibt sie. Wer erst einmal angekommen ist, hier am Fuss der venetischen Südalpen, wo der Fluss Piave sein Bett in die Poebene schürft, der wird feststellen, dass die teilweise grandiosen Weingüter fast zweitrangig erscheinen. Zwischen Valdobbiadene und Conegliano schweift der Blick über unzählige, oft steil aufragende Hügel, die zum Teil aussehen wie spitze Zauberhütchen, und kleine grüne Talkessel. Auf der kurvigen Strasse sind Autos in der Minderzahl, hauptsächlich knattern auf ihr die Traktoren der Winzer. Eine Fahrt durch die 1966 eröffnete «Strada del Prosecco», damit die älteste Weinstrasse Italiens, kommt einem so unwirklich vor, als liefe gerade ein verwackelter, alter Kinofilm.

Die enorme Popularität des Prosecco ist tatsächlich in keiner Weise deckungsgleich mit der touristischen Erschliessung seines Ursprungsgebietes. Und man kann den Strategen der Touristikbranche nur von ganzem Herzen für ihre Nachlässigkeit danken. Prachtvolle Villen und zinnoberrote alte Gutshäuser, meist exponiert auf den Kuppen gelegen, säumen die verwinkelte Strasse. Inmitten der Weinhügel liegen, reizvoll wie gute Pralinen, kleine Städte und ruhige Orte verstreut, denen das lärmende Theater der angrenzenden Zielgebiete Venetiens fremd ist und die nicht charmanter sein könnten: Asolo, Castelfranco, Follina - ganz zu schweigen von der Provinzhauptstadt Treviso, die allein eine Reise lohnt.

Von Florian Mikorey
www.welt.de 15.10.2005

www.prosecco.it



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