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Die Therme im Meer der Wellen

Nur in der «Crete Senesi» findet man die perfekte Toskana – und dazu ein Thermen-Hotel, wie es wohl kein zweites gibt.

«Ich hab‘ es probiert: Sie können nach Norden, Süden, Osten oder Westen fahren – es wird nie schöner als hier.» - Starke Worte, die der Südtiroler Roland Margesin da mitten im touristischen Niemandsland der Toskana ausspricht – gut 50 Kilometer südöstlich von Siena und damit weit weg von den Glanzlichtern wie Florenz, Pisa, Volterra oder San Gimignano. Doch nach ein paar Tagen in Bagno Vignoni, erfüllt mit Ausflügen in alle Himmelsrichtungen, muss man dem sympathischen Direktor des Hotels Adler Thermae zustimmen.

Denn nur hier, in der «Crete Senesi», rund um das UNESCO-Weltnaturerbe Val d‘Orcia, findet sich auf wenige Kilometer beschränkt die Toskana, wie wir sie aus so vielen Bildern kennen: «Ein totes Meer aus erdigen Wellen» beschrieb der im Februar verstorbene Dichter Mario Luzi diese kargen, von Schafweiden und Getreidefeldern geprägten Lehmhügeln, in denen nur ab und zu eine Zypresse oder ein einsames Haus sanfte Akzente setzen darf, ab und zu vielleicht ein kleines, steinernes Städtchen.

Vom Brunello zum Vino Nobile

Eine nahezu perfekte Landschaft, wo alles strenge Harmonie und stille Schönheit ist, jede Kleinigkeit ein Meisterwerk, aufgeräumt, klar und immer wesentlich. Ideal für Maler und Fotografen, die an jeder Wegbiegung auf ein neues Motiv treffen – begleitet vom Wechsel der Farben im steten Lauf des Jahres: zart-grün im Frühjahr, satt-gelb im Sommer, grau, braun und rot im erdigen Herbst und manchmal sogar weiss, wenn der Winter für ein paar kurze Tage eine dünne Schneedecke über die Hügel breitet.

Begrenzt wird diese Zauberlandschaft von zwei alten Städten, die durch ihre Weine weltberühmt wurden: Montalcino mit seinem «Brunello» im Westen und Montepulciano mit seinem «Vino Nobile» im Osten – gerade mal 35 Kilometer voneinander entfernt. Beide eröffnen herrliche Ausblicke über das hier bereits von Weingärten besänftigte Land und haben auch architektonisch einiges zu bieten – Montalcino mit seiner weithin sichtbaren Festung aus dem 14. Jahrhundert, Montepulciano mit seinen einzigartigen Renaissance-Palästen.

Noch schöner ist nur das UNESCO-Weltkulturerbe Pienza, das auf halbem Weg zwischen den beiden Wein-Metropolen auf einem Hügel thront. Papst Pius II. liess diesen Ort, in dem er 1405 als Enea Silvio de Piccolomini zur Welt gekommen war, nach seiner Wahl im Jahr 1458 nach humanistischen Prinzipien völlig neu gestalten – sozusagen als Renaissance-Vision der «idealen Stadt», die sich in den engen Gassen und auf der streng symmetrischen Piazza Pio II mit dem Palazzo Piccolomini und dem «schiefen» Dom auch heute noch genau so zeigt, wie sie der kunstsinnige Renaissance-Papst vor 550 Jahren sah.

Ein Hauptplatz aus Wasser

Wein wächst hier zwar keiner, aber der aus Schafsmilch gewonnene und in verschiedenen Reifestadien von mild bis würzig verkaufte Pecorino-Käse ist ebenso eine Delikatesse wie die süssen «Lucrezia-Borgia-Plätzchen» und die Pici – dicke, handgerollte Nudeln, die in den Restaurants von Pienza gerne mit Entenragout serviert werden.

Ob auch Pius II. solche Köstlichkeiten liebte, ist nicht überliefert. Sicher ist hingegen, dass er die heilenden Thermalquellen des nahen Bagno Vignoni genoss – so wie lange vor ihm die Etrusker und die Römer und kurz nach ihm der mächtige Medicifürst Lorenzo der Prächtige («Il Magnifico»).

Schon damals hatte der winzige, aber traditionsreiche Thermalort eine Attraktion zu bieten, die wohl bis heute weltweit einmalig ist: einen ganzen Hauptplatz aus dampfendem Wasser. Oder genauer gesagt: eine Piazza, die aus einem einzigen grossen Becken besteht. Darin wird jenes 52 Grad heisse Wasser gesammelt, das in etwa sechs Jahren vom gut 40 Kilometer entfernten, 1738 Meter hohen Monte Amiata langsam durch den Untergrund sickert, dabei Mineralien und Schwefelverbindungen aus dem Kalk löst und schliesslich rund um Bagno Vignoni aus 1000 Metern Tiefe an die Oberfläche dringt.

Das Baden auf der mittelalterlichen «Piazza d‘Aqua» ist zwar heute verboten, seit dem Frühjahr 2004 gibt es aber ein paar Hundert Meter weiter im neuen «Spa & Wellnessresort Adler Thermae» eine wesentlich bequemere Alternative, die in Italien bereits eine Art «Kult-Status» besitzt.

Denn der Südtiroler Hotelier-Familie Sanoner, die schon seit Generationen das «Adler Wellness & Sport Resort» in St. Ulrich im Grödnertal betreibt, gelang es, ein luxuriöses und dennoch gemütliches 100-Zimmer-Hotel mit begrünten Dächern und unterirdischen Parkplätzen so perfekt in den historischen Travertin-Steinbruch von Bagno Vignoni zu integrieren, dass das «UNESCO-Weltnaturerbe Orcia-Tal» keinerlei Schaden erlitt, aber in all seiner Pracht vor dem Gast liegt – ein Kunstwerk für sich.

Mehr als 200 Behandlungen werden hier im grosszügigen Wellness-, Therapie- und Beautybereich angeboten – und die hauseigene Thermalquelle sprudelt nur für die rund 1000 Quadratmeter grosse Wassererlebniswelt, die neben einem Indoor- und einem Outdoor-Thermalpool auch ein normal temperiertes Sportbecken samt Wildwasserkanal, einen künstlichen See mit einer als Pfahlbau errichteten Olivenholz-Sauna und eine Solegrotte mit dampfendem Salzwasser, sphärischen Klängen und geheimnisvollen Lichtspielen beinhaltet.

Mittags lädt eine typisch italienische Pool-Trattoria zur Stärkung, und abends speist man im Penthaus-Restaurant dank eines beweglichen Glasdaches stilvoll unter dem Sternenhimmel der Toskana.

Bagno Vignoni

Anreise: Mit dem Auto über die Südautobahn, Tarvis, Venedig, Padua, Bologna und Florenz bis zur Abfahrt Bettolle, danach 30 km auf der Landstrasse bis Bagno Vignoni (Distanz ab Wien: ca. 970 km). Als Alternative bieten sich tägliche Flüge mit Austrian Airlines nach Rom oder Florenz und danach ein Mietwagen an.

Hoteltipp: Eine Woche mit Halbpension, Tiefgaragenstellplatz, Zutritt zur Thermen- welt und Teilnahme am Sport- und Freizeitprogramm ist im «Spa & Wellnessresort Adler Thermae» ab 981 Euro buchbar, ein Kurzaufenthalt mit denselben Leistungen (Do-So oder So-Do) ab 494 Euro.

Infos und Buchungen: www.adler-thermae.com.

Tipps für Geniesser

Tenuta Corte Pavone (Montalcino): Mit biologisch-dynamischem Weinbau hat sich der Österreicher Rainer Loacker in kürzester Zeit zu einem der besten Brunello-Produzenten emporgearbeitet. Tolles Preis-Leistungsverhältnis – auch bei den anderen «Roten».

Tenuta Il Greppo (Montalcino): Historisches Gut, auf dem der Brunello erfunden wurde. Meist ist der Korken früher altersschwach als der Wein, was alle paar Jahre zu einer Zeremonie der Neuverkorkung führt.

Siro Pacenti (Montalcino): Giancarlo Pacentis Brunello hat mehrfach die begehrten drei Gläser des «Gambero Rosso» erhalten.

Castello Banfi (Montalcino): Beeindruckendes Castello mit Vinothek. «Poggio alle Mura» heisst der Spitzen-Brunello des Gutes – ein wuchtiger, vollmundiger Tropfen.

Avignonesi (Montalcino): Traditionsreiches Weingut, in dem die Brüder Falvo heute einen exzellenten Vino Nobile keltern.

Cantucci (Montepulciano): Neben einer Degustation lohnt auch ein Besuch des historischen Weinkellers in einem herrlichen Renaissance-Palast an der Piazza Grande.

Boscarelli (Montepulciano): Die Familie de Ferrari war massgeblich an der Wiedergeburt des Vino Nobile beteiligt. In den Kellern reift heute unter anderem der «Noce», einer der ersten Einzellagenweine der Region.

Dei (Montepulciano): Die engagierte Winzerin Caterina Dei liebt elegante Weine, die sie nur in grossen Holzfässern reifen lässt.

Poliziano (Montepulciano): Federico Carletti zählt mit seinen Spitzen-Weinen «Asinone» und «Vigna del Fattore» alljährlich zu den besten Vino-Nobile-Produzenten.

Von Wolfgang Tropf
NÖ Nachrichten 5.11.2005




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