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Wasser im Wein: Erlaubt, aber umstritten

Für diejenigen, die ihren Prosecco gern auf Eis trinken, fängt das neue Jahr mit einer guten Nachricht an: Seit dem 1. Januar 2006 ist Wasser im Wein völlig legal. Das neue Handelsabkommen für Wein, das zwischen der EU und den USA kurz vor Weihnachten ausgehandelt wurde, sieht unter anderem vor, dass von nun an auch refraktionierte Weine nach Europa eingeführt werden dürfen.

Erst werden sie in einer Schleuderkegelkolonne in ihre Bestandteile zerlegt, um später unter der Beigabe von Wasser wieder verrührt zu werden. Dadurch wird, so wie der Verbraucher es wünscht, ein gleichbleibender Geschmack erzielt. Gerade für global agierende Grosskellereien ist das ein wichtiges Argument, um Kunden bei der Stange zu halten.

Diese und andere Methoden - wie die Zugabe von Aromen, Enzymen oder der Einsatz von Eichenholzchips zum Most - sind in den Vereinigten Staaten längst üblich. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Verfahren auch bei uns legal sind. Die Kritik der Europäer daran ist vor allem polemisch und politisch motiviert. Auch hier können Weine längst legal mit Tannin versetzt werden, während es gleichzeitig erlaubt ist, Säure und Wasser zu entziehen. Selbst das geschmackliche Abmildern mit unvergorenem Traubenmost ist für viele Weine aus Europa normal und der Qualität nicht einmal abträglich.

Allerdings hat die Weinherstellung in Europa eine deutlich höhere Relevanz als in den Staaten. Hierzulande sind Weine eine Frage von Kultur und Handwerk, deren Besonderheiten sich aus Zusammenspiel von Klima, Rebe und Boden ergeben. Während in den USA Wein eher ein landwirtschaftliches Gut mit Zielgruppencharakter ist und vom «Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives» beaufsichtigt wird.

Aber das Hauptproblem, das sich dem Abkommen ergibt, ist der Vertrauensverlust in das Naturprodukt Wein. Dieser wird die Konsumenten noch stärker in die Lager Qualität und Quantität spalten. Allerdings nicht so, wie man es prophezeit.

Denn es ist egal, ob ein Wein aus den USA, Neuseeland oder Europa stammt. Auch weiterhin wird es überall saubere, authentisch schmeckende Tropfen geben. Aber die Kluft zwischen handwerklich hergestellten Weinen und den völlig sterilen Industrieprodukten wird immer grösser.

Leider ist für die unterschiedlichen Herstellungsverfahren weder in der EU noch in den USA eine Deklarationspflicht vorgesehen, weshalb am Ende vor allem der Weintrinker angeschmiert ist.

In einem Land wie Deutschland, wo man nicht bereit ist, im Durchschnitt mehr als 2,09 Euro für eine Flasche Wein zu bezahlen, darf man sich nicht wundern, dass der Preissog auch keine moralische Begrenzung mehr zulässt.

Das, was vor den Festtagen in Brüssel von beiden Seiten ausgehandelt wurde, hatte jedenfalls wenig mit der Achtung des Weines zu tun, sondern war nur ein Geschäft. Denn in Europa führen vor allem Spanien, Italien und Frankreich weitaus mehr Wein aus, als sie aus den USA bekommen.

www.wams.de
Hendrik Thoma 15.01.2006




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