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Syrah und Zinfandel unter kalifornischer Sonne

Der 31. Bundesstaat der USA entwickelte sich zu dem bekanntesten und wichtigsten Weinanbaugebiet Nordamerikas

Kalifornien, der von Sonne und Naturschönheiten verwöhnte Staat tief im Südwesten der USA, gilt gemeinhin als das Traumziel vieler Amerika-Reisender. Herrliche, sich stark unterscheidende Landschaften, Wüsten, Berge, einmalige Felsformationen, gewaltige Canyons und der Pazifische Ozean, an dem der schon legendäre Highway Number One entlangführt, ziehen die Touristen in ihren Bann. Nicht zu vergessen sind die Metropolen San Francisco und Los Angeles, die von ihrer Wirkung und Ausstrahlung auf den Besucher kaum gegensätzlicher sein könnten. Hier die fast schon europäisch anmutende City mit ihren anachronistischen, gleichwohl äusserst liebenswerten Cable-Cars, dort der amerikanische Moloch, in dem man ob der gigantischen Ausdehnung und des fast völligen Fehlens jeglichen öffentlichen Nahverkehrs auf das Auto angewiesen ist.

Kalifornien, das ist aber mehr als die hier beschriebene, fast schon als Klassiker geltende Touristenroute, die häufig auch einen Abstecher ins Spielerparadies Las Vergas mit einschliesst. Nein, der «Golden State» ist ausser für seine paradiesischen Schönheiten und dem zuweilen protzig zur Schau gestellten «American Way of Life» seit einigen Jahren auch für seinen Wein berühmt.

Der rund 35 Millionen Einwohner zählende Staat hat sich zwischenzeitlich zum bekanntesten Weinanbaugebiet Nordamerikas entwickelt. Die Rebflächen bedecken mehr als 224000 Hektar (Deutschland 100000 Hektar). Darauf werden etwa zwei Milliarden Liter Wein im Jahr produziert. Weltweit gilt der 31. Bundesstaat der USA auch dank etlicher Grosskellereien wie zum Beispiel Gallo als viertgrösster Weinproduzent hinter den «klassischen» Weinländern Frankreich, Spanien und Italien.

Kalifornien-Reisende, deren Interesse dem edlen Getränk gilt und die es kaum erwarten können, auch den einen oder anderen Tropfen in einem Weingut - der so genannten Winery - direkt vor Ort zu verkosten, haben die Qual der Wahl. Mehr als 900 Weinbaubetriebe und 4400 Traubenproduzenten gibt es in der klimatisch begünstigten Region, in der an mehr als 200 Tagen im Jahr die Sonne vom Himmel lacht und vom Pazifik her ein feuchter, den Rebenwuchs fördernder Wind verlässlich weht.

In Deutschland am ehesten bekannt sein dürften die Weinanbaugebiete Sonoma County und Napa Valley, die nördlich von San Francisco liegen. In diesen landschaftlich äusserst reizvollen Tälern laden ungezählte Kellereien unterschiedlicher Grösse zu Weinproben und Touren durch die Vineyard, die Weinberge, ein.

Übrigens: Die Qualitäten der in Kalifornien produzierten Weine reichen vom einfachen Tafelwein bis zu exklusiven Spitzenerzeugnissen, für die passionierte Sammler bereit sind, Rekordpreise zu bezahlen.

Generell gilt in den Vereinigten Staaten von Amerika Wein, der vor mehr als 200 Jahren von spanischen Missionaren ins Land gebracht wurde, eher als schickes Luxus- und Lifestyle-Produkt. Anders als in vielen Regionen Deutschlands üblich, wird das Getränk im Regelfall nur bei besonderen Anlässen serviert.

Wer den kalifornischen Wein abseits des trubeligen und touristisch überlaufenen Napa und Sonoma Valleys probieren möchte, findet im Süden von San Francisco bis ins rund 600 Kilometer entfernte Los Angeles eine Vielzahl von Anbaugebieten an der Central-Coast. Unterwegs auf dem bereits erwähnten legendären Highway Number One, direkt am tosenden Pazifik, lohnt immer wieder der nur wenige Meilen weite Abstecher ins Landesinnere.

Im Hinterland der Städte Monterey, Paso Robles oder weiter im Süden in der Umgebung von Santa Barbara geht es, verglichen mit dem quirlig-rummeligen Napa und Sonoma, noch eher beschaulich zu. Auch in diesen Regionen, in denen vorwiegend schwere Rotweine mit einem Alkoholgehalt von bis zu 16 Prozent angebaut werden, laden viele, meist idyllisch gelegene Weingüter zum Besuch und zum «Tasting» (Probieren) ein. Stets freundliche und gut gelaunte «Winemaker» kredenzen ihre Gewächse in mal schlichterem, mal exklusiverem Ambiente.

Cabernet Sauvignon, Zinfandel, Syrah und Pinot Noir sind die roten Sorten, die in dieser klimatisch durch warme Tage und kühle Nächte gleichermassen begünstigten Landschaft im Santa Barbara County angebaut werden. Freunde des Weissweins kommen weniger auf ihre Kosten. Einzig die leichteren Chardonnays und Sauvignon Blancs bieten der mächtig-schweren Rotwein-Phalanx ansatzweise Paroli.

Je weiter der Weg südlich Richtung Los Angeles führt, desto grösser die Chance, dass der vagabundierende Weinfreak unverhofft auf Grössen des Filmbusiness stösst. Nicht wenige Schauspieler und Regisseure, die im nahen Hollywood das grosse Geld gemacht haben, erfüllen sich mit einem eigenen Weingut vor den Toren von Los Angeles einen «schicken» Lebenstraum. So entdeckte Fess Parker, weltweit bekannte und reich gewordene Schauspielgrösse der Nachkriegszeit, Ende der 80er Jahre seine Vorliebe für den Wein. Gemeinsam mit der Familie und einer Reihe von Experten, die über das nötige Know-how des Winemaking verfügten, gründete der einstige Leinwandheld, der unter anderem für Walt Disney arbeitete, die Fess Parker Winery. Die bewirtschaftete Fläche in der Sankt Ynez Senke im Santa Barbara County wuchs schnell von einem kleinen Weinberg zu einer heute 700 Acres (umgerechnet etwa 284 Hektar) grossen Farm.

Der Besuch in Fess Parkers reizvoll inmitten von Weinbergen gelegenen Winery nahe dem Kleinstädtchen Los Olivos lohnt nicht nur der vorzüglichen, international ausgezeichneten Weine wegen. Nein, spannende Filmhistorie wird beim Tasting in der grosszügigen, professionell aufgezogenen Probierstube überdies kostenlos mitgeliefert.

Weinanbau, so viel wird dem staunenden Besucher aus Europa spätestens jetzt klar, gilt in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, zumal in dem ausgeflipptesten aller 50 Bundesstaaten der USA, als «Big Business», an dem auch viele Quereinsteiger und vermögende Kapitalanleger grossen Gefallen finden und Geld verdienen.

Solange sie selbst oder ihre eingekauften «Macher» vom Fach gute Erzeugnisse produzieren, die im weltweiten Vergleich bestehen können, soll es allen Freunden des Rebensaftes nur recht sein. Ein Besuch der Winerys jedenfalls lohnt.

Wer sich partout nicht von edlen Tropfen berauschen lassen will, den betören vielleicht die Aura und der Glanz des nahen Hollywood samt seiner Helden.

az-badkreuznach.de
Gerhard Grunwald 14.01.2006




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