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Nach dem Essen nur Espresso

Business-Knigge fürs Ausland. Italiener legen Wert auf Stil und persönliche Kontakte.

Wer einen Universitätsabschluss hat, wird «Dottore» oder «Dottoressa» genannt, Lehrer und Dozenten mit «Professore» und «Professoressa» angesprochen. Entsprechendes gilt für Anwälte, Ingenieure, oft auch Buchhalter. Gianni Furiani ist Träger des Ehrentitels «Cavaliere», was in etwa «Ritter» bedeutet. Die angemessene Begrüssung für ihn lautet somit: «Buongiorno Cavaliere». «Der Nachname muss nicht unbedingt genannt werden», erklärt der ehemalige Bauunternehmer, der heute als Privatier in Hamburg mit grossem Engagement Netzwerkarbeit betreibt und seine Kontakte beruflich Aktiven zur Verfügung stellt. Was ungemein hilft - denn Italiener legen grossen Wert auf den Aufbau persönlicher Beziehungen, bevor sie sich auf Geschäfte einlassen. Für den ersten Kontakt rät Furiani, eine dritte Person einzuschalten, «die über ein gewisses Ansehen verfügt und die vor Ort herrschenden Strukturen kennt.» Einen solchen Kontakt vermitteln etwa die Handelskammern.

Zum Kennenlernen gehört ein Besuch im Büro des neuen Partners und das gemeinsame Mittagessen, für das man sich Zeit nehmen sollte. Wein gehört selbstverständlich auch dazu. Wer mittags auf Alkohol verzichten möchte, sollte trotzdem nicht ablehnen, sondern mit anstossen und am Glas nippen, «als Ausdruck gegenseitiger Sympathie», weiss der gebürtige Ferrareser. Ein Grappa oder Averna nach dem Essen sei Geschmackssache, aber ein anschliessender Cappucino ein Verstoss gegen den guten Geschmack. Furiani erklärt die Kaffeesitten: «Morgens wird ein Caffelatte getrunken, vormittags in einem Café der Cappuccino und ab dann nur noch Espresso nach den Mahlzeiten.»

Das Befolgen dieser Regel zeige, dass der Gast die Landessitten kenne und beweise Respekt gegenüber dem italienischen Geschäftspartner. Ebenso wie das Wissen, dass Italiener Wert auf eine «bella figura» legen, sich also elegant kleiden und das auch bei Anderen schätzen. «Für Essen und Kleidung geben Italiener das meiste Geld aus», erklärt Furiani. Denn: «Ein guter Teil des Lebens findet draussen statt, auf der Piazza. So sieht man und wird gesehen - dabei spielt das Äussere einfach eine grosse Rolle.»

Die Körpersprache des italienischen Geschäftspartners ist offen und lebendig, wie auch das Gesprächsverhalten: «Gegenseitige Unterbrechungen im Eifer des Gefechts sind nicht ungewöhnlich und sollten keineswegs als Unhöflichkeit missverstanden werden», betont Gianni Furiani. Ungeachtet der lebensfrohen Einstellung der meisten Italiener werden geschäftliche Präsentationen und Besprechungen stets sachlich und zielstrebig geführt; vom Gegenüber wird die Bereitschaft zu Kompromissen erwartet. So sollte immer ein Spielraum für Rabatte eingeplant werden. Der August sei in Italien für Geschäftstermine völlig ungeeignet. «Das ist der Urlaubsmonat», erklärt Furiani, «und viele Städte sind wie ausgestorben».

www.abendblatt.de
Yvonne Scheller 14.01.2006




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