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Zum Weinfest in die Rioja

Region im Norden ist das «ursprüngliche Iberia»

La Rioja - den Wein kennen mittlerweile fast alle. Doch die gleichnamige kleine Region im Norden Spaniens wird von Touristen selten besucht. Die Weinsaison im September bietet eine Gelegenheit, diesen kaum bekannten Fleck Spaniens kennen zu lernen.

Umgeben von alten Weinfässern sitzt David Moreno mit Gästen zur Weinprobe in seiner Bodega. Der alte Weinkeller im Dorf Badarán riecht nach Holz und Feuchtigkeit. Auf dem Tisch steht ein Teller mit spanischem Serrano-Schinken und deftigem Käse. Gespannt schauen die Gäste zu, wie Moreno das Glas gegen das Licht hält.

«Die etwas trübe, dunkelrote Farbe lässt uns erkennen, dass es sich hier um einen Reserva-Wein handeln muss», sagt der Winzer mit sanfter Stimme. Er fordert die Gäste auf, den Wein zu riechen. Einige erkennen Früchte und den Duft von Fermentation, andere wollen sogar einen Hauch Banane und Birne bemerkt haben. Dann taucht Moreno selbst die Nase tief ins Glas ein und inhaliert: «Nach Vanille, einem Hauch Zimt, Lakritze und Pfeffer riecht dieser Wein», sagt er, ohne die Augen dabei zu öffnen. Jetzt erkennen auch die Gäste einige dieser Geruchsnoten, die sie vorher nicht beschreiben konnten.

David Moreno macht den Gästen Mut: «Weinkosten ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Jeder empfindet andere Sachen, riecht andere Gerüche, schmeckt andere Aromen - und alle haben Recht», sagt er, bevor er die Gäste durch seinen Weinkeller führt. Er erzählt dabei von den besonderen Klimabedingungen und den fruchtbaren Böden der Rioja, welche die Weine der Region weltberühmt gemacht haben.

Der Weinanbau besitzt in La Rioja eine tausendjährige Tradition. Schon im Mittelalter schätzte man selbst in Frankreich und Italien die Weine aus den drei Anbaugebieten Rioja Alta, Rioja Baja und Rioja Alavesa, letzteres auf der baskischen Seite des Flusses Ebro. Aber erst langsam setzt sich heute die Einsicht durch, dass man die Weinkeller auch für Weinliebhaber und neugierige Urlauber öffnen sollte. Die Führungen sind meist in Spanisch. Doch die häufig noch sehr familiäre Art der Bodega-Besuche bietet dem Urlauber eine Möglichkeit, ein noch sehr ursprüngliches Stück Spanien zu erleben.

In der Rioja führen alle Wege zum Wein. Die kleine Region zwischen dem kantabrischen Meer und der kastilischen Hochebene ist zwar nur doppelt so gross wie das Saarland und hat gerade einmal 260'000 Einwohner. Sie zählt aber mehr als 50'000 Hektar Rebland, 2600 Winzer und mehr als 180 Bodegas. Rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung erbringt die Weinindustrie. Jährlich werden rund 200 Millionen Liter Wein produziert. 75 Prozent sind Rotwein, der Rest Weisswein und Rosé.

Schon in einem der ersten Gedichte in spanischer Sprache wurde der würzige Rotwein der Rioja erwähnt: «Ich möchte schreiben in unserer Schrift, so wie man mit seinem Nachbarn spricht, denn ich kann nicht so gut das andere Latein, besser ist's, glaube ich, man trinkt einen guten Wein.» Gedichtet wurden diese Zeilen im 13. Jahrhundert von Gonzalo de Berceo, dem ersten bekannten Autor spanischer Lyrik, im Kloster Yuso in San Millán de la Cogolla.

Hier in den Bergen der Sierra de San Lorenzo verfasste ein Mönch bereits im 10. Jahrhundert die ersten spanischen Worte. Das Kloster Yuso, in dem sich eine der schönsten barocken Sakristeien des Landes befindet, und das kleinere Kloster Suso gehören inzwischen zum Unesco-Weltkulturerbe.

Die Weinmetropole der Rioja schlechthin ist Haro, eine hufeisenförmig angelegte mittelalterliche Kleinstadt in der Rioja Alta. In dem Ort mit seinen zahlreichen Palastbauten sind 14 der 40 grössten riojanischen Weinkellereien ansässig, ebenso die bereits 1892 gegründete Weinforschungsstation.

In Ábalos dagegen befindet sich eine der ältesten Bodegas Spaniens aus dem 14. Jahrhundert. Wer tiefer in die Geschichte und Kultur des Weins eintauchen und einen sehr guten Einführungskurs in Weinverkostung machen möchte, sollte zudem das Weinmuseum Dinastia Vivanco im Nachbarort Briones besuchen.

Vorbei an endlos erscheinenden Rebstock-Plantagen führt der Weg von Briones nach Navarrete. Immer wieder sind unterwegs am Horizont mittelalterliche Burgen zu sehen, die an die strategische Bedeutung die Region bei der Rückeroberung Spaniens aus der Hand der Mauren erinnern. Und immer wieder begegnen die Reisenden hier auch Pilgern, die durch die Weinberge in Richtung Santiago de Compostela wandern.

«Hier gedeihen die Trauben besonders gut. Durch die Nähe zum Meer haben wir milde Temperaturen und viel Sonne. Und die Berge spenden den anfälligen Trauben den notwendigen Schatten», erklärt der Winzer Lorenzo Garcia. Mitte September beginnt er wie die anderen Weinbauern mit der Lese. Wie viele Winzer aus Navarrete hat auch der 58-Jährige nur ein kleines Feld. 10'000 Liter produziert er pro Jahr. Einen Grossteil wird er in der riojanischen Hauptstadt Logrono verkaufen.

Dort findet vom 20. bis 26. September auf dem Marktplatz das jährliche Weinfest statt. Dann verbrennen die Winzer auf den Plätzen und Strassen Rebstöcke, auf deren Glut Lammkoteletts und Spanferkel gegrillt werden. Und dazu wird natürlich bester Rioja-Wein serviert.

www.mz-web.de
Manuel Meyer 09.09.05




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