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Hokus Pokus in Japan: Sekundenschnell aus neuem Wein ein reifer Tropfen gemacht

Gewagtes Experiment: Widerstand & Desinteresse. Der Erfinder sieht grosse Sparpotentiale in Weinherstellung

Die Alterung ist beim Wein alles. Manchmal wird er lange Zeit in Eichenfässern gelagert, um ihm seine besondere Note zu geben. Kenner bewahren besondere Flaschen über Jahre im Keller auf, um ihr komplexes Bouquet geniessen zu können, wenn der Wein sein Höhepunkt in der Reife erreicht hat. Für Hiroshi Tanaka ist das alles Zeitverschwendung. Er hat eine Maschine entwickelt, in der in wenigen Sekunden aus einem Beaujolais Nouveau ein schöner, reifer Wein wird. Ihm reichen dafür ein paar Volt für die Elektrolyse.

«Wir bearbeiten die jungen Weine und machen daraus im Handumdrehen Flaschen mit reifem Wein», sagt Tanaka, Chef der japanischen Firma Innovative Design and Technology, die ein kleines Labor in Hamamatsu westlich von Tokio unterhält. «Denken sie nur daran, was man sparen kann», schwärmt Tanaka: «Kürzere Produktionszeiten, keine lange Lagerung, keine Investitionen in Fässer.» Seine Firma ist im Gespräch mit Weinproduzenten in den US-Bundesstaaten Washington und Kalifornien, die junge Weine liefern sollen. Die US-Tochterfirma BW2 hofft, schon bald die Flaschen im Internet verkaufen zu können.

Steiniger Weg

Einfach wird der Weg aber nicht werden. In Japan hat Tanaka seine Maschine schon bei Winzern, Reisweinherstellern und in Destillerien vorgestellt. Nur ein einziger zeigte bisher Interesse. In Europa, wo die Weinkultur zu den Grundpfeilern der Zivilisation gehört, ist die Skepsis noch grösser. «Ich kann nicht erkennen, wie aus einem Wein minderer Qualität in Sekunden ein magischer, reifer Wein werden soll», sagt Emmanuel Delmas, Sommelier im berühmten Restaurant Fouquet's in Paris.

Funktionsweise

Im natürlichen Reifungsprozess entstehe der Geschmack eines Weins aus der Verbindung von Alkohol mit Gruppen von Wassermolekülen, erklärt Tanaka. Wie dies genau funktioniert, wird zwar in der Wissenschaft noch diskutiert, Tanaka hat aber nach eigenen Angaben mit seinem patentierten Elektrolyseverfahren einen Weg gefunden, die Wassermolekülgruppen in Sekunden aufzubrechen, so dass diese sich mit dem Alkohol verbinden können.

Nichts für Kenner

Für den untrainierten Geschmack wurde so aus einem Beaujolais Nouveau 2005 ein vollmundiger, komplexer Wein. Ein genau so behandelter Sauvignon Blanc 2004 war im Nachgeschmack etwas trockener. Auch andere Arten von Alkohol lassen sich nach Tanakas Worten auf diese Art behandeln und veredeln. «Wir könnten guten Wein für Europa, guten Sake für Japan, guten Wodka für Russland oder guten Baijiu für China produzieren. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten.»

Vorteile

Der mit der Elektrolyse behandelte Wein hat noch weitere Vorteile, wie Akihiro Hishima, ein Mitarbeiter des Entwicklerteams, berichtet. Er sei gesünder, weil er nicht so leicht oxidiere und keine künstlichen Anti-Oxidationsmittel brauche, die fast jedem Wein hinzugefügt würden, sagt Hishima, schwenkt sein Weinglas und beisst in ein Stück Camembert.

Extreme Ablehnung

Tanaka macht sich aber keine Illusionen, die Jahrtausende alte Geschichte der Weinherstellung über Nacht neu schreiben zu können. «Ich weiss, dass es viele Widerstände in der Weinindustrie gibt.» Er habe sie schon zu spüren bekommen, sagt Tanaka und berichtet von einem Besuch bei einem Betrieb in Italien 2002, wo er einen Prototyp seines Geräts vorstellte. «Man sagte uns, wir sollten den Raum verlassen, das Land verlassen und nie wiederkommen.»

www.networld.at 26.01.2006



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