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Auf ihrer Ladefläche liegt Italien

Seit bald 60 Jahren motorisiert die Piaggio Ape, Missing Link zwischen Transporter und selber tragen, das Kleingewerbe in Italien. Aber wie lange noch?

Der Youngster blickt nicht gerade mit prahlerischem Ausdruck aus dem Seitenfenster seiner Ape. Das Fahren in dem dreirädrigen, knatternden Blechgefährt mit der Bonsai­ladefläche geht kaum als cool durch, selbst hier nicht, im landläufigen Italien. Und das wird den Niedergang der «Biene» (italienisch Ape) besiegeln: Die Alten (Kennzeichen: mürrischer Blick, Zigarette im Mundwinkel) sterben aus, und die Jungen fahren lieber Auto. Die Biene wird ihre Schuldigkeit bald getan haben.

Nicht zu übersehen

Eine kleine Modelloffensive bemüht sich redlich, das Unvermeidbare aufzuhalten. So gibt es das Modell Ape «Cross Country», ein Kabinenroller mit SUV-Look, ein «trendy Pick-up» mit Überrollbügel, lackierten Rammschutzleisten und Allwetterreifen. Slogan: «Mit der Ape 50 Cross wird dich niemand übersehen!» Eben.

Von Ausflügen ins schwere Gelände ist freilich abzuraten. Und wo immer etwas gerammt wird, sollte keine Ape im Spiel sein. Die Kollision mit einem normalen ­Auto könnte einem glatt den Tag verderben. Der Ape-Fahrer ­eignet sich auch besser eine eigene ­Kurventechnik an – das Fahren mit nur ­einem Rad vorn will gelernt sein. Zur Sicherheit wird es nie allzu schnell: Die 50er Ape hat den Motor eines Mopeds, trägt aber ­eine aerodynamisch wenig hilf­reiche Kabine vor sich her. Gesteuert wird je nach Modell und Ausführung mittels Griffen wie auf der Vespa oder mit einem richtigen Lenkrad.

Im Winter legen die Besitzer schwere Bausteine auf die Ladefläche, denn mit etwas Druck auf der Hinterachse lässt sich mehr Trak­tion herausholen. So kann man auch auf Schnee recht sorglos durch die Gassen knattern. Der Lokalaugenschein zeigt: Die Ape ist eine Gefährtin fürs ganze Jahr.

Es zieht freilich ein wenig im Cockpit. Ursprünglich, in ihrem Geburtsjahr 1947, war die Ape ­eine Art überdachte Vespa (italie­nisch Wespe). Dann kamen immer neue Versionen und Motorisierungen, und bald knatterte das gesamte Kleingewerbe von Neapel bis ­Udine auf drei Rädern durch die Gegend. 1969 kam die Ape mit 50 Kubik, womit sie als Moped führerscheinfrei zu fahren war. Heute ist sogar eine Diesel-Ape im Programm. Die Nutzlast beschränkt sich bei den Kleinen auf 200 Kilogramm, die Grossen stemmen auch 700 kg. Die Vorteile waren klar wie Grappa: billig in der Anschaffung, quasi im Wohnzimmer zu reparieren, tauglich für die Altstadt wie für den Feldweg, sparsam im Verbrauch und eben führerscheinfrei. Die Ape war das Missing Link zwischen Transporter und selber tragen.

Wir begegnen der Ape mit italophiler Zuneigung, bald kommt Nostalgie dazu. Denn irgendwann werden EU-Richtlinien dem ­blechernen Knattervehikel den Garaus bereiten.

Kein Exportschlager

Warum machte die Ape bei uns keinen Meter? Wir haben Josef ­Faber, Inhaber des gleichnamigen Moped- und Motorradhandels in Wien, ­befragt. Das Geschäft ist Piag­gio-Importeur der ersten Stunde. Antwort: «Wir haben schon ein paar Apes verkauft, vorwiegend an Gärtnereien im Grossraum Wien. Aber der Hemmschuh für eine grössere Verbreitung war wohl die Winterschwäche. Mit nur einem mittigen Rad vorne können Sie die Spuren der Autos nicht gescheit nachfahren. Und kuschelig warm wird es im Innenraum auch nicht gerade.» Damit steht fest: Österreich hat sich aus reiner Warmduscherei der Ape verweigert.

www.diepresse.com Timo Völker 11.02.2006



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