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Vini d’Italia - Zurück in die Zukunft

Der Vino italiano gibt international wieder den Ton an, das einzige Problem für italienischen Roten bleiben – die Italiener.

Im Ausland ist es noch intakt, das Bild des stoppelbärtigen Winzers, der sein bester Kunde ist, und dankenswerterweise den Ausländern die eine oder andere Flasche abtritt. Doch so schön es sich lebt im Bel Paese, die Bewohner der schönsten Halbinsel der Welt werden zusehends trinkfauler.

Hat der Durchschnittsitaliener in den 70-er Jahren noch 100 Liter Rosso (und ein wenig Bianco) gesüffelt, sind es heute gerade noch 48 Liter. Für den Winzer, der nicht jedes Jahr schlechter verdienen will, bedeutet das zweierlei: Exportieren und, zweitens, versuchen noch mehr zu exportieren.

USA als Grossabnehmer

Und – il miracolo italiano – voriges Jahr konnten sympathische Sonderlinge den Export in die USA um rund 13 Prozent steigern – jede dritte in Amerika entkorkte Flasche kommt aus Italien. Auch Deutschland ist dem Wein-Charme Italiens dauerhaft verfallen: Italien ist unangefochten die Nummer 1 unter Germaniens Importweinen – mit doppelt so vielen Flaschen wie Frankreich.

Schraubverschluss mit Chip

Um im internationalen Weingeschäft nicht unterzugehen, lassen sich die Italiener einiges einfallen. Sehr gut laufen soll dem Vernehmen nach ein Tropfen, dessen herausragende Eigenschaft ein Schraubverschluss sein soll, dem ein Chip implantiert ist. Öffnet nun der geneigte Trinker den Verschluss, säuselt eine Stimme die Geschichte des Weinguts.

Kürzlich wurde sogar ein japanischer Erfinder in der Toskana gesichtet, der Innovatives zu verkaufen hatte: Mittels ein paar Volt für die Elektrolyse wollte er – nein, nicht Wasser – sondern Jungwein in gereiften Wein verwandeln. «Die Italiener sagten, wir sollten den Raum verlassen», jammert Erfinder Hiroshi Tanaka, «den Raum und dann das Land verlassen und nie, nie wiederkommen».

Schlechter Wein als Tafelwein verkauft

Etwas orthodoxer sucht Graf Ugo Contini Bonacossi den Exporterfolg. Seine «Tenuta di Capezzana» ist das älteste urkundlich beglaubigte Weingut Italiens. Auch in der Gegenwart verfolgt der 84-jährige Graf wachen Auges das zunehmend globalisierte Geschäft: Von den 600'000 produzierten Toscana-Flaschen, die sein Gut pro Jahr abwirft, macht er einen sehr anständigen Tropfen («Villa de Capezzana»), einen der italienischen Top-Weine («Ghiaie della Furba»), doch die schlechteren 200'000 Flaschen verkauft er als billigen Tafelwein. Zwei Drittel seiner Weine gehen ins Ausland – fast die Hälfte davon in die USA.

«Wir achten die Tradition», sagt Bonacossi, «aber wir versuchen sie zu verbessern. Tradition heisst nicht Stillstand, sondern ist das Resultat der Verbesserungsversuche früherer Generationen.»

USA respektieren geschützte Marken

An chemische Zusätze wird in den 1200 Winzerjahren allerdings nicht gedacht worden sein. Und doch waren es Italiener, Spanier und Franzosen, die die EU zur umstrittenen «Coca-Cola-Wein»-Verordnung trieben. Nach diesem Handelsabkommen mit den USA dürfen seit Jahresbeginn «technisch manipulierte Weine» aus den USA in Europa verkauft werden. So dürfen dem, was noch vom Rebensaft übrig bleibt, diverse Aromen zugesetzt werden (besonders beliebt: Holzarome).

Für die alten Wein-Länder gab es zwei starke Argumente: Einerseits müssen sie das Zeug nicht selber trinken (kaum Wein-Importe). Andererseits werfen die USA für Italien nicht nur eine halbe Milliarde Euro Jahres-Umsatz ab, sie erkannten die geschützten Herkunftsbezeichnungen Chianti und Marsala an.

Verregneter Jahrgang 2005

Der italienische Jahrgang 2005 jedenfalls, wird nicht in die Annalen eingehen. Bis August hatte noch alles nach einem Top-Jahrgang ausgesehen, doch dann schüttete es im September. Im Piemont wurde der Wein kräftig, in der Toskana weniger, im Süden noch weniger verwässert.

Eine neue Chance für die sonnenverwöhnten Weine aus dem Süden des Landes, Terrain gut zu machen. Im Gegensatz zu den Barolo-Produzenten aus dem Piemont (die zu sehr auf den US-Markt gesetzt hatten) warten die Tropfen aus den Abbruzzen, Kampanien und Apulien noch auf die grosse Chance im Ausland. Wie man «Sicilia» ausspricht wissen die Amerikaner schon.

focus.msn.de Manfred Weber-Lambardière, Paris 18.02.2006



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