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Vino d´Italia - Vom «Fiasco» zum Genuss-Wein

Ausgerechnet der alte Adel hat das Weinland Italien in die Neuzeit geführt.

Mit Superlativen braucht sich Italien schon lange nicht mehr hinter dem französischen Lehrmeister zu verstecken. Nirgendwo gibt es so viele Rebsorten (500), so viele alte Weingüter und so viele Weinexporte wie in Italien (jede vierte weltweit getrunkene Flasche).

Um es aber vom Massenproduzenten in die Beletage des gehobenen Geschmacks zu schaffen, brauchte Italien Trendsetter: die Marchesi di Antinori, die Frescobaldis und andere Adelsgeschlechter.

«Mit einem Bein in der Tradition»

Allegra, die 26. Generation der Marchesi Antinori im Weinberg, hat eine Erklärung für die avantgardistischen Blaublütigen: «Wir müssen der Zeit voraus sein, gleichzeitig stehen wir mit einem Bein in der Tradition.» Mittlerweile können die besten Italiener mit den Premium-Class-Franzosen mithalten. Das Castello Banfi bei Montalcino in der Südtoskana etwa wurde seit 1990 schon mehrmals zum «weltbesten Weingut» gekürt.

Abschied vom Korbflaschen-Saft

Marchese Antinori hatte bereits in den 70er-Jahren gegen das damalige Schicksal der Chianti-Weine (oft gehobenes Pennerglück in der Korbflasche, die nicht umsonst «Fiasco» heisst) rebelliert. Antinori zeigte die Richtung auf – weg vom Korbflaschen-Saft zum ernst zu nehmenden Genuss-Wein.

Er verwöhnte die Reben, baute weniger dicht und in besseren Lagen an und baute den Chianti mit modernen Methoden aus. Wein-Papst Robert Parker entdeckte den «Super-Tuscan» (Sassicaia, Omellaia). Und Barolo, Brunello di Montalcino strahlten am internationalen Wein-Firmament.

2003 platzte die Spekulationsblase

Manche Winzer schienen Anfang der 90er-Jahre eine Lizenz zum Gelddrucken zu besitzen. Von 1990 bis 2000 verdreifachte sich der Durchschnittspreis italienischen Rotweins. Spitzenweine wie Barolo, Barbaresco, Nobile di Montalcino verfünffachten ihren Preis. Der Preis für rebengeeigneten Boden in der Toskana verachtfachte und die Exporterlöse verdreifachten sich.

Doch nach zehn Jahren kollektiven Rauschs platzte die Spekulationsblase 2003. Damals gingen die Ausfuhren von einem Jahr aufs andere um 16,6 Prozent zurück – am meisten schmerzte der Liebesentzug der deutschen Toskana-Fraktion und anderer italophilen Teutonen. Der Export nach Deutschland brach zwischen 2002 und 2003 um ein Viertel ein.

Die Neue Welt im Vormarsch

Der Fluch der «Neuen Weinwelt» traf Italien, so wie er auch Frankreich traf. Ungläubig mussten die Italiener mit ansehen, wie ihnen die Neureichen (Südafrika, Chile, Australien) Marktanteile wegknabberten. In der Gunst der Weinliebhaber rächten sich auch die Sünden der wilden 90er-Jahre.

Ein Beispiel für den heftigen Preisauftrieb: Den 1997er-Solaia gab Antinori für 40 Euro an den Grosshändler, für 70 Euro stand er im Kaufhof-Regal. Dann kam die Wahl zum Wein des Jahres («Wine spectator») – er kletterte auf 153 Euro, das Angebot verkleinerte sich (was in der Natur des Weins liegt), schliesslich zahlte man in Deutschland 281 Euro die Flasche.

Ist er das wert? Ja, sagen Markt-Theoretiker – sonst würde er sich ja nicht verkaufen. Nur wird derjenige, der für seinen zu jungen Solaia 281 Euro bezahlt hat, vielleicht enttäuscht sein, dass der Wein nicht fünfmal so gut schmeckt wie ein 50-Euro-Nobile di Montepulciano, der schon trinkreif ist.

Toskana kriselt, der Süden kommt

Nach Meinung der Markt-Theoretiker wird sich der Preis wieder der Nachfrage anpassen. Was nichts dran ändern konnte, dass Leonardo Frescobaldi inzwischen sagen muss: «Die Toskana steckt in einer ähnlich schweren Krise wie Bordeaux.»

Doch die Italiener richten den weinseligen Blick bereits ins sonst wenig geliebte Mezzogiorno, den wirtschaftlich unterentwickelten Süden. Dort hat sich zu vertretbaren Preisen Sizilien bereits an die Spitzengruppe Italiens herangepirscht. Andere Kanidaten wie Kampanien, Apulien oder Sardinien sehen auch Zeichen der Hoffnung. Die Aristokraten haben sich schon eingekauft.

focus.msn.de Manfred Weber-Lambardière, Paris 18.02.2006



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