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Wein und Religion

«Der Wein war bereits da als die grossen Religionen entstanden. Sie haben sich des Weines bedient, weil er da war, und weil er populär war. Nicht die Religionen haben geholfen, den Wein zu verbreiten, sondern umgekehrt», so der Historiker Pascal Erissan, Verfasser mehrerer Werke über die Weinkultur des Mittelmeerraums. Wie auch immer: die christliche Religion förderte den Weinbau ganz konkret, nicht zuletzt in den geistigen Zentren, den Klöstern, denen er nicht nur Energiequelle und Nahrungsmittel war, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle.

Dass Wein trunken macht, nahm man dabei in Kauf,. solange nicht «im Tempel» gezecht wurde. Wein gehört zu den Nahrungsmitteln, die Sesshaftigkeit erfordern. Ein Rebberg muss über mehrere Jahre gepflegt werden, bis er genügend Ertrag ergibt. Die Sesshaftigkeit aber ist eine der Voraussetzungen zum Entwickeln einer eigentlichen Kultur. Die Nomadenstämme der Urzeit vertaten ihre Zeit mit der Nahrungsbeschaffung. Jagen und Sammeln bestimmten den Tagesablauf. Wer sesshaft wurde, konnte einen Teil der Nahrungsgewinnung delegieren und fand etwas mehr Zeit, über sich und das Universum nachzudenken. Und ein Glas kräftigen Rotweins machte die Gedanken noch freier...

Dionysoskult: Einen wahren Kult rund um den Wein trieben die alten Griechen rund um ihren Weingott Dionysos. Unterstellt wird dem Gott des Weines gar, er habe den terpentinartigen Retsina erfunden und würde, wenn er heute makedonischen Harzwein trinken könnte, ewig in dieser Gegend bleiben. Ursprünglich galt Dionysos als Gott der Pflanzenwelt und der Fruchtbarkeit. Mit der Kolonialisierung Unteritaliens erlebte der Zeussohn seinen Aufstieg zum Weingott, der sehr viele Anhänger hatte und in das griechische Pantheon aufgenommen wurde.

Zu Ehren ihres Gottes veranstalteten die Griechen vornehme Symposien («Zusammentrinken»), die aber nichts anderes als fröhliche Trinkgelage waren, bei denen die Regel galt: «Den Wein vertragen, aber die Trunkenheit verbergen,» Dionysos liess nicht nur in der Mythologie den Rebstock seinem Herzen entspriessen, sondern unternahm auch wirr anmutende Kriegszüge, liebte die Ausschweifungen mit jungen Damen, heiratete aber schliesslich Ariadne auf Naxos. Das Volk folgte dem Beispiel seines Gottes offenbar gern, wie Euripides (484 - 406 v.Chr.> verriet: «Beim Wein. da werden alle Geister wach, da schliessen sich der Frauen Reize voller auf, Umarmungen, Drücke, Küsse folgen, und ich weiss nicht was,..»

Der Wein war gleichzeitig Rauschmittel und - bei Hippokrates - Heilmittel. Der grosse Arzt des Altertums empfahl Wein zur Behandlung von Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Ischias und Wassersucht. Auch als Griechenland unter römische Herrschaft kam, mussten seine Einwohner nicht um ihren täglichen Wein fürchten. Aufs Trockene gesetzt wurden sie erst durch die Herrschaft der osmanischen Türken ab 1453.

Bei Dionysos fand bei den Griechen der Wein Aufnahme in der Götterfamilie, bei den Römern übernahm Bacchus diese Rolle. Während der Weinbau heute in den christlichen Ländern des nördlichen Mittelmeers boomt, leidet er in den islamischen Ländern unter dem Fundamentalismus.

Weinmagazin Vinum
Mai 2000




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