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Aufregung um Angelo Gaja - Der Winzer aus dem Piemont verlässt Italiens exklusivste Appellationsstufe

Der Piemonteser Starwinzer Angelo Gaja sorgt in der internationalen Weinszene für Aufregung: Er verlässt mit vier seiner höchstkotierten Weine des Jahrgangs 1996 die DOCG, Italiens exklusivste Appellationsstufe, und deklassiert damit seine teuren und gefeierten Einzellagen-Barbareschi - Costa Russi, Sorì Tildin und Sorì San Lorenzo - zur Herkunftsbezeichnung Langhe Nebbiolo. Gaja wird in Zukunft auch keinen Barolo Sperss mehr erzeugen. Dieser mutiert zu Sperss Langhe Nebbiolo. Als einziger Wein wird ein «normaler» Barbaresco in der DOCG verbleiben.

Gajas spektakulärer Schritt löst Irritation und Fragen aus

«Meine Vorfahren erzeugten stets nur einen Barbaresco. Dessen Nebbiolo-Trauben stammten immer aus verschiedenen Rebbergen. Ende der Sechzigerjahre führte ich die Einzellagen ein», begründet Gaja seinen Entscheid. «Sie verdrängten in der Wertschätzung der Konsumenten und Weinkritiker zunehmend unseren herkömmlichen Barbaresco, obwohl wir auf dessen Bereitung nie weniger Mühe verwandten.» Mit der Konzentration auf einen Barbaresco wolle er zurück zu den Wurzeln und den Wein wieder an der Spitze seiner Produktion etablieren. Mit der Deklassierung der Crus soll sich der Markt auf jenen Standard-Barbaresco konzentrieren, dem das Haus Gaja sein Renommee verdankt. Gajas spektakulärer Schritt löst im Weinfach Irritation und Fragen aus. Schliesslich ist der Mann Schrittmacher einer ganzen Region und sowohl als Weinerzeuger und Verkäufer seiner edlen Produkte charismatisch.

Das Motiv des Starwinzers wäre für viele Kritiker nachvollziehbar, wenn er ganz auf die Einzellagen verzichten würde und neben dem Barbaresco als Zweitwein einen einzigen Langhe Nebbiolo ins Programm nehmen würde. Mit den neupositionierten Crus riskiert er dagegen, das Interesse vom Barbaresco abzuziehen und fürs Piemont eine Entwicklung einzuläuten, wie sie die Toscana bereits hinter sich hat: einen Wildwuchs von anarchischen Autorenweinen, der die Identität eines historischen Anbaugebiets erschüttert.Eine derartige Befürchtung wird durch das Weingesetz verstärkt: Ein Langhe Nebbiolo muss minimal 85 Prozent Nebbiolo enthalten, darf also bis zu 15 Prozent mit anderen roten Sorten verschnitten werden - mit einheimischen wie mit internationalen, mit Barbera ebenso wie mit Cabernet Sauvignon oder Merlot. Gaja kann also künftig seine Crus in schwächeren Nebbiolo-Jahren mit besser gelungenen Sorten verbessern. Das Weingut hatte bereits 1991, 1992 und 1994 aus qualitativen Gründen auf die Abfüllung der Crus verzichtet: ein Indiz für den (finanziellen) Reiz dieser Möglichkeit.

Wurde Gajas Barbareschi ein Schuss Merlot zugesetzt?

Gaja wehrt sich energisch, wenn man ihm solche Motive unterschieben will. «Wir wollen auch als Langhe Nebbiolo unsere Crus reinsortig anbieten», sagt er. «Sollte sich zeigen, dass später ein paar Prozent einer autochtonen Sorte förderlich sein kann, werden wir das mit Barbera tun. Ich habe aber kein Interesse, unserem Nebbiolo einen internationalen Geschmack zu verpassen.» Gaja wird auch lauter, wenn ihm Stimmen zu Ohren kommen, die behaupten, seinen Barbareschi sei schon früher ein Schuss Cabernet oder Merlot zugesetzt worden: «Nie habe ich so was getan. Leider kann man das analytisch noch nicht hieb- und stichfest nachweisen. Sonst würde ich sofort ein Muster zur Untersuchung geben.»

Martin Kilchmann
Sonntagszeitung 04/06/00




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