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Die Weine der Toscana

Wer in die Toscana fährt, kommt um ihre Weine nicht herum: Chianti, Brunello und all die anderen waren unsere treuen Begleiter, berichtet Christian Pleil.

Es war einer jener lukullischen Abende, an dem die Idee geboren wurde, einmal eine kulinarische Reise nach Italien zu unternehmen. Als Ziel einigte man sich recht bald auf die Toscana, ist dieses Gebiet doch hinlänglich als Zentrum kulturhistorischer Stätten und kulinarischer Köstlichkeiten, besonders aber auch für den dort produzierten Wein bekannt.

Als erstes machten wir Bekanntschaft mit dem Chianti, dem wohl bekanntesten Wein der Toscana. Das Wort Chianti soll vom etruskischen Wort Clant herrühren, welches so viel wie Wasser bedeutet und bereits seit 1384 bekannt ist. Dass man einen Wein ausgerechnet mit der Bezeichnung für Wasser beschreibt, mag etwas eigenartig erscheinen, aber wir mussten auch feststellen, dass die Chiantis eher leichtere Rotweine sind und man wirklich schweren Rotweine in anderen Regionen suchen muss. Seinen grossen Bekanntheitsgrad erreichte der Chianti ja auch als Trinkwein, zumeist aus der legendären Korbflasche.

Ricasoli legte 1841 folgenden Rebsortenanteil für die Chiantierzeugung fest: 70% Sangiovese, 15% Malvasia und 15% Canaiolo. An dieser Formel hat sich nicht viel geändert, nur nahm man später noch die Sorte Trebbiano dazu und gestaltete die Prozentsätze etwas offener. Hier ist nun zu erwähnen, dass die Sorten Malvasia und Trebbiano Weissweinsorten sind. Die Verwendung von weissen Trauben für die Rotweinbereitung hat den Zweck, den Wein etwas leichter zu machen, da ja die roten Trauben mehr Gerbstoffe mitbringen. Dies erklärt auch die oben erwähnte Feststellung, dass die Chiantis nicht zu den kräftigen Rotweinen zählen. Erst in den letzten Jahren hat man es erlaubt, auch Chianti zu 100% aus der Sangiovese Traube zu keltern. Dies ist ein Schritt in die Richtung, dem Chianti internationalen Rotweincharakter zu verleihen.

Bei den Chiantis unterscheidet man zwei Arten, nämlich den normalen Chianti und den Chianti Riserva, wobei ersterer mindestens ein Jahr Fasslagerung, der Riserva mindestens zwei Jahre im Fass und drei Monate in der Flasche liegen muss. Diese Regelungen variieren in den acht vorgeschriebenen Chiantianbaugebieten natürlich noch ein bisschen, grundsätzlich ist jedoch zu sagen, dass der Chianti Riserva älter und reifer ist.

Was uns auch gleich auffiel, war der Unterschied in der Bezeichnung der Weine zu unserem vertrauten, heimischen System. In Italien begründet sich die Qualitätsklassifizierung in erster Linie aus dem Anbaugebiet und nicht nach der eigentlichen Weinqualität. So gibt es, wie schon erwähnt, acht verschiedene Anbaugebiete, in denen man Chianti als Qualitätswein (davon gibt es zwei Stufen: den DOC und den DOCG Wein) keltern darf. Alle anderen Weine, die nicht den Chiantianforderungen entsprechen, gelten somit nicht als Qualitätswein. So ist es z.B. unmöglich, in diesem Gebiet einen Cabernet Sauvignon als Qualitätswein anzubieten. Derartige Weine waren früher Tafelweine (Vino da Tavolo). Oft trugen sie einen klingenden Phantasienamen wie z.B. Tignanello. Im Gegensatz zu unseren Gewohnheiten sind diese Weine oft von hoher Qualität und recht teuer. Insider der Weinszene bezeichnen sie als Super Toscanas.

Nun ist Italien aber auch Mitglied der Europäischen Union, und in dieser gibt es ziemlich strikte Richtlinien für Tafelweine, die z.B. eine Sortenbezeichnung unmöglich machen, was aber in Italien immer sehr locker gehandhabt wurde. Seit 1992 gibt es jedoch ein neues Weingesetz, welches für solche Weine die Bezeichnung IGT vorsieht und sie somit vom Tafelweinstatus befreit.

Neben den bereits erwähnten acht Chiantianbaugebieten, von denen das Chianti Classico sicher das bekannteste ist, gibt es noch zahlreiche weitere DOC und DOCG, sprich: Qualitätsweingebiete. Eines in unmittelbarer Nähe unserer Unterkunft ist das Gebiet Vernaccia di San Gimignano. Qualitätsweine aus diesem Gebiet, die, wie auch beim Chianti, ausschliesslich nach der Herkunft, nämlich als Vernaccia di San Gimignano bezeichnet werden, sind Weissweine. Vom Charakter her sind diese eher etwas breitere, reifere und trockene Weine. Auch hier gibt es wieder die Bezeichnung Riserva für Weine mit einem Jahr Lagerung. Bei uns, die wir den frischen Grünen Veltliner gewohnt sind, konnten diese Weine nicht gerade grosse Begeisterung hervorrufen.

Ein Tagesausflug führte uns zu zwei weiteren Gebieten, die ganz im Süden der Toscana liegen. Das erste ist das kleine Gebiet um die schöne Stadt Montepulciano und heisst Nobile di Montepulciano. Hier konnten wir im Verkostungskeller des riesigen Weinerzeuger Avignonesi einige Weine probieren. Der hiesige DOCG Qualitätswein, der Vino Nobile di Montepulciano, stellte sich als sehr kräftiger reifer Rotwein heraus. Diese Vino Nobile werden aus der Sangiovese Traube mit einem kleinen Verschnitt von Canaiolo, manchmal auch mit der weissen Trebbiano Traube, gekeltert, und erst nach einer zweijährigen Fasslagerung in Verkehr gebracht. Die Riservas sind drei Jahre gelagert. Gefallen fanden wir aber auch am eher leichteren DOC Wein, dem Rosso di Montepulciano.

Etwas westlicher gelegen liegt das Städtchen Montalcino, um das sich das Anbaugebiet Brunello di Montalcino befindet. Auch hier konnten wir einige Weingüter ausfindig machen und zahlreiche Weine probieren. Besonders beeindruckend war unser Besuch beim Weingut Banfi. Im Verkostungsraum dieses grossen Weinerzeugers, der einem Saal glich, konnten wir einige Weine degustieren. Die hiesigen Qualitätsweine mit der Bezeichnung Brunello di Montalcino werden zur Gänze aus der Sorte Sangiovese, die hier auch Brunello genannt wird gekeltert, und sind sehr kompakte und elegante Weine, mit intensivem Rubinrot und reichem Bukett. Die Lagerung erfolgt bei diesen Weinen vier Jahre, davon mindestens drei im Holz, die Riservas brauchen mindestens fünf Jahre Reifezeit.

Der Weineinkauf in der Toscana gestaltet sich sehr einfach. Es gibt neben der Möglichkeit vom Ab Hof Verkauf am Weingut in allen Supermärkten ein grosses Weinangebot. Weiters gibt es in allen grösseren Städten sogenannte Enotecas, in denen man ein sehr grosses Weinangebot vorfindet. Von letzteren machten wir sehr oft Gebrauch, sodass wir auch noch in unserer Unterkunft die Weinkost des Tages bis in die späten Abendstunden fortführen konnten. Da wir in unserem Bus auch einige Flaschen aus der Heimat mitgenommen hatten, gab es dabei auch die Möglichkeit für Vergleiche mit Tropfen aus dem Weinviertel.

Alles in allem konnten wir in der Toscana sehr viele positive Erfahrungen über Wein sammeln, aber auch beruhigt feststellen, dass die Weine bei uns im Weinviertel qualitätsmässig mit den italienischen gut mithalten können und auch wir auf unseren Rebensaft stolz sein können.

Quelle: Christian Pleil - Jungwinzer in Wolkersdorf


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