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Montepulciano - Toskanische Genüsse

Jahrhundertelang diskret zwischen den Machtfronten toskanischer Metropolen lavierend, wünscht sich das Städtchen heute mehr Aufmerksamkeit. Kulturell wie kulinarisch hat das Renaissance-Juwel einiges zu bieten

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Wahrlich keine neue Weisheit. Da auch in der Toskana während Jahrhunderten Städte wie Florenz und Siena erbitterte Rivalitäten austrugen, nutzte die kleine Stadt Montepulciano ihre ungestörte Position zwischen den Fronten. Sie betrieb einen ruhigen Aufbau und sorgte für die Prosperität ihrer Bürger. Heute, im Kulturtourismusschatten von Florenz und Siena stehend, ist sie dennoch einen Besuch wert ist.

Spitzenweine

Nebst zahlreichen historischen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten kann die Renaissance-Stadt etliche kulinarische Trümpfe ausspielen. In erster Linie ihren Wein, den Vino Nobile di Montepulciano. Der Nobile - technisch gesehen eigentlich ein Chianti - wird auf etwa 820 Hektaren angepflanzt und besteht aus überwiegend Prugnolo Gentile- und Canaiolo-Trauben. Diese Weine tragen das höchste staatliche Gütezeichen, die DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita). Im rührigen Consorzio Vino Nobile di Montepulciano sind rund 130 Winzer und Traubenproduzenten vereint. Von ihnen stammen etwa 80% der Jahresproduktion, die sich im Durchschnitt auf 31 000 Hektolitern beläuft.

Nobler Gegenspieler

Der Vino Nobile ist in den letzten fünf Jahren zu einem ernsthaften Gegenspieler zweier anderer toskanischer Rotweine avanciert: Sowohl der Chianti Classico wie auch der Superstar der italinischen Rotweine, der Brunello di Montalcino, bekamen die vernünftige Preispolitik, aber auch die Qualität zu spüren.
Degustatives Kennzeichen eines Vino Nobile ist ein duftiges, fruchtig-florales Bouquet. Im Mund erinnert er an Zwetschgen und Kirschen. Dazu kommt oft eine vanillig-würzige Komponente mit deutlicher, aber nicht unangenehmer Säure und ebensolchen Tanninen. Der Vino Nobile «Riserva» muss ein Jahr länger im Fass lagern, also drei statt zwei. Für die unterste Stufe, den Rosso di Montepulciano (DOC) gelten tiefere Anforderungen. Vom Vino Nobile di Montepulciano werden pro Jahr etwa 4 Mio Flaschen abgesetzt, wovon 55% ins Ausland gelangen. Hinter Deutschland und vor Amerika ist die Schweiz zweitwichtigster Abnehmer. Bewährte Produzenten von Vino Nobile sind: Poliziano, Tenuta Vadipiatta, Fattoria del Cerro, Contucci, Bindella, Dei, Crociani, Cantina del Redi, Avignonesi, Lombardo, Fazi Battaglia-Fassati.

Toskanische Ölprobe

Während die Olivenöle Liguriens elegante Leichtgewichte mit lediglich einem Hauch von Frucht sind, zeichnen sich diejenigen der Toskana durch den typischen «olivig-grünen, ja grasigen Geschmackston» und einen pfeffrigen Abgang aus. Dies gilt auch für die Olivenöle, welche die lokale Ölmühle, der «Frantoio di Montepulciano», produziert.
Bevor die Öle abgefüllt werden, müssen sie sich der Degustation stellen. Dabei wird eine winzige Menge 28 Grad warmes Olivenöl in kleine, farbige Gläschen gegossen. So wird vermieden, dass sich der Verkoster durch die Farbdichte des Öls beeinflussen lässt. Andererseits treten bei der warmen Temperatur Aroma, aber auch allfällige Defekte, deutlicher hervor. Als mangelhaft eingestuft werden Öle, die rauh, metallisch, schimmelig, fettig-ranzig, erhitzt oder essigstichig wirken. Um die Sinne zwischen den einzelnen Proben aufzufrischen, verzehren die Experten jeweils ein kleines Stück eines säuerlichen Apfels.

Käseparadies

Zweifelsohne gehört der Schafskäse zu den lukullischen Freuden der Region. So stellt etwa die kleine, ein paar Autominuten ausserhalb der Stadt gelegene Käserei von Silvana und Giovanna Cugusi den Pecorino in beinahe einem Dutzend verschiedener Varianten her. Mit Nüssen, Rucola, Pfefferschoten, Trüffeln und solchen, bei dem Asche oder Tomaten in die Rinde eingerieben wird. Ein Schafskäse «Riserva» und ein in Nussblätter eingehüllter machen das Sortiment perfekt. Wer dann noch das Vergnügen hat, im Garten des «Caseificios» alle Käse bei einem Glas Vino Nobile, mit toskanischem Brot, sonnenwarmen Tomaten und frisch gepflückten Bohnen zu degustieren, wird kaum darum herum kommen, erneut sein Glas auf «Bella Italia» zu erheben.

Eine Reise wert

Das 14'000 Einwohner zählende Montepulciano ist für kulturell und kulinarisch Interessierte mehr wert, als nur einen Blick in den Reiseführer. Auf dem Rücken des Mons Politianus (600 Meter über Meer), zwischen dem Chiana- und Orcia-Tal gelegen, besitzt es alle Attraktionen einer toskanischen Provinzstadt mit reicher Vergangenheit: Gut erhaltene Paläste, Kirchen, Befestigungsanlage, verschnörkeltes Teatro, romantisches Umland. Ein mindestens zweitägiger Aufenthalt ist empfehlenswert, etwa im einfachen Hotel Albergo il Borghetto. Unbedingt besichtigen sollte man die monumentalen Gewölbe unter dem Palazzo Ricci. Zu den absoluten «Must» eines Montepulciano-Besuches gehört das 1868 im Liberty-Stil erbaute «Caffè Poliziano». Dieses Paradebeispiel alter italienischer Kafeehauskulter schätzte schon der Dichter Pirandello.

Autor: Robert Meier - Handelszeitung



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