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Kampanien Campania

Kampanien: Kulturelles Erbe Grossgriechenlands. Kampanien ist nicht nur eine geschichtsträchtige Region in Süditalien. Ihre Ortsnamen gehen wie Musik ins Ohr.

In Benevent schlägt das Herz der uralten Landschaft Campania, die heute, nach unendlichen Wirren und Kriegen, wieder so genannt wird, am lebendigsten. Im Gegensatz zu der belebten Küste herrscht hier noch die Ruhe einer süditalienischen Provinzstadt, stolz auf ihre Vergangenheit als Mittelpunkt des alt italienischen Reiches der Samniten, die 321 v. Chr. in der Schlacht von Forche Claudine die Römer besiegten. Hauptstadt war damals wahrscheinlich Telesia, wo noch römische Wehrmauern stehen; heute ist es ein beliebter Thermalkurort namens Telese. Die Umgebung ist hügelig und gebirgig, mit weiten blühenden Tälern, Weinbergen, Olivenhainen und Fruchtbäumen, wovon Nüsse und Haselnüsse besonderen Ruf geniessen. In den Nussbäumen von Benevent hielten vordem Hexen ihre Walpurgisnächte ab. An sie gemahnt noch der Name des Likörs «Strega di Benevento», deren Hersteller alljährlich den angesehenen Literaturpreis «Premio Strega» stiften.

Bewegte Geschichte

Kampanien, das den nördlichen Teil der einstigen Magna Graecia bedeckt, spiegelt die tragische Geschichte der Apenninhalbinsel auf eindrucksvollste Weise. Von der hohen Kultur der Samniten, die ungeachtet der Nachbarschaft mit den Etruskern deren Raffinement freilich nicht erreichten, sind nur spärliche Zeugen überliefert, da die Römer auch hier das meiste zerstörten. Sie änderten den ursprünglichen Namen Maleventum in Colonia Julia Felix Beneventum. Glanzvolle Metropole des Imperiums, ward sie von Nero, Trajan, Hadrian und Septimius Severus besucht. Der zu Ehren Trajans errichtete Siegesbogen im heutigen Stadtzentrum zählt zu den besterhaltenen Bauwerken römischer Antike, geschmückt mit prachtvollen Basreliefs.

Im römischen Theater finden Freilichtaufführungen statt. Die byzantinischen Feldherren Belisar und Narses kämpften nahebei mit dem Gotenkönig Totila. Mehrmals ward die Stadt zerstört, erwachte jedoch erneut zur Blüte als Hauptstadt des langobardischen Herzogtums, wovon noch die trutzige Burg steht; bis 1077 war Benevent Fürstentum und fiel sodann an den allmächtigen Kirchenstaat. Älter als die gregorianischen Kirchengesänge sind die Canti von Benevent, auf Pergament im Bischofspalast zu besichtigen.

Im wunderschönen romanischen Kreuzgang der Kirche Santa Sofia beglückt eine archäologische Sammlung den Besucher; auch das Kloster San Francesco besitzt ein Chiostro des zwölften Jahrhunderts. Benevent gehörte sodann zum Reich der Anjou, ward wieder päpstlich, unterstand vorübergehend dem Fürsten von Talleyrand - von Bonapartes Gnaden - und teilte sodann weitgehend die bewegte Geschichte Italiens. Schöne Brücken, Kirchen und Brunnen zieren die gastfreundliche Stadt. Zur Zeit der Römer war sie wichtiger Stützpunkt der verlängerten Via Appia von Capua über Beneventum nach Apulien, wo nördlich von Brindisi die Egnatische Heerstrasse begann, die Westrom mit Ostrom verband.

Neapel und sein Golf

Zur Zeit der klassisch-romantischen Italienreisenden im Gefolge Winkelmanns war Neapel, war der Vesuv, das begehrteste Ziel. Die Millionenstadt ist in letzter Zeit etwas in Verruf geraten. Heute wirkt sie wieder heiter und gepflegt. Falls er sich nicht gerade in die düstern Gässchen der Altstadt verirrt, darf sich der Fremde durchaus sicher fühlen. Die palmenbestandene Meerpromenade, die Via Parténope mit ihren eleganten Hotels, Santa Lucia mit ihren Piedigrotta-Liedern, die Galleria, das weltbekannte Teatro San Carlo, die Castelli - das alles hat seinen Reiz bewahrt wie die Postkarten-Schönheit des herrlichen Golfs von Neapel zu Füssen des erloschenen Vulkans, der dazu die allzuoft gemalte, fotografierte und besungene Kulisse bildet.

Sieht man von der sommerlichen Hochsaison ab, wo alle Mittelmeerküsten vom Massentourismus überschwemmt zu sein pflegen, dann entzückt die Halbinsel von Sorrent, umrankt von der schwindelerregenden Amalfitana-Strasse immer noch Auge und Gemüt. Ein Kurort mit schönen Gärten und Hotels jeder Kategorie reiht sich an den andern, Namen, die wie Musik ins Ohr gehen: Positano, Amalfi, Ravello mit den Villen Rufolo und Cimbrone, wo im Sommer Festspiele zu Ehren Richard Wagners stattzufinden pflegen, der hier die Inspiration zur Blumenmädchen-Szene seines Parsifals empfing. Amalfi, mit prachtvollem Dom in maurisch-gotischem Stil samt Kreuzgang. Amalfi mit seinem hochgelegenen, nur mit Aufzug erreichbaren Hotel Capuccini war im frühen Mittelalter die erste, das Mittelmeer beherrschende Seerepublik der Apenninenhalbinsel; Pisa, Genua und Venedig folgten später seinen Spuren. Wie eine kühne Handelsflotte unter dem Regime mächtiger Dogen von dieser eng zwischen schroffen Felswänden gedrängten Hafenstadt auslaufen konnte, bleibt dem Betrachter ein Rätsel. Amalfi verfügt über schmale Sandstrände mit klarem Meerwasser.

Lebendige Antike

Das Nationalmuseum von Neapel beansprucht den Ruhm, die bedeutendste archäologische Sammlung Italiens zu besitzen, doch sind nicht immer alle Säle zugänglich - ewige Klage kunstbeflissener Italienreisender. Am eindrucksvollsten lebt das Altertum weiter in den einzigartigen Ausgrabungsstätten Grossgriechenlands, das allerdings auch Apulien, Kalabrien und Sizilien umschloss. Pompeji bleibt ein Glücksfall ohnegleichen. Diese Stadt, von Asche und Lava befreit, bietet einen derart lebendigen Eindruck, als wäre sie vor kurzem noch bewohnt gewesen; daher die Faszination, die Pompeji auch auf kunstgeschichtlich desinteressierte Besucher ausübt, insbesondere die lasziven Fresken im einstigen Lupanar. Überwältigend wirken immer noch die römischen Wandmalereien der Villa dei Misteri Dionisiachi mit der meisterhaften, fortlaufenden Darstellung der Einführung eines jungen Mädchens in die geheimnisvollen Riten zu Ehren des Gottes Bacchus, also zur Mänade.

Herkulaneum, immer noch bloss teilweise ausgegraben, da mitten in der Stadt gelegen, bildet eine wichtige Ergänzung zu Pompeji. War dieses auf einem Hügel erbaut, mit Forum, Säulenstrassen und Tempelruinen, so liegt Ercolaneo als Hafenstadt unmittelbar am Meer. Während von den altitalischen Gebirgsvölkern, den Sabinern, Volskern, Samniten, fast nichts an die Nachwelt gelangte, bietet die Magna Graecia, Megala Hellas, eine antike Stätte von solcher Herrlichkeit, dass sie alles andere übertrifft: Paestum, die einst mächtige Griechenstadt Poseidonia mit ihren drei dorischen Tempeln inmitten eines blühenden Parks, dessen purpurrote Rosenpracht schon Virgil, Ovid und Properz besangen: «Odorati victura rosaria Paesti» . . . Älter als das Parthenon, sind diese Heiligtümer etwas gedrungener, erdenschwer, aber gerade dadurch von überwältigender Monumentalität. Ein schönes Museum zeigt Fragmente meisterhafter Fresken aus römischen Grabstätten, die Basilika weist frühchristliche Bauweise auf.

Zur Region Kampanien zählen auch die reizvollen Eilande Capri, Ischia und Procida, die eine besondere Würdigung verdienen würden. Doch auch innerhalb der beschriebenen Orte birgt die Landschaft bezaubernde Kleinstädte, wie Cava de'Tirreni; die Grossstadt Salerno beglückt mit einem romanischen Dom. Hübsche Majoliken entstehen in überlieferungsreichen Faktoreien. Die Gastronomie brilliert dank Pasta und Pizza alla napoletana, Mozzarella di bufala, aus Büffelmilch hergestellt, längs der Küste dank Meeresfrüchten.

CONRAD STREIT
www.ebund.ch



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