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Neue Stopfen für die edlen Tropfen

Korken · Weingeniessern stockt das Schlucken. Aus Kosten- und Qualitätsgründen verschliessen immer mehr Weinproduzenten ihre Tropfen mit Drehverschlüssen und künstlichen Korken.

Während die Produktion und der Konsum von Wein weltweit zunehmen, hinken die Lieferanten von Korkzapfen der Nachfrage hoffnungslos hinterher. Der Grund dafür ist so einleuchtend wie unabänderlich: Die Korkeiche - und mit ihr der Rohstofflieferant für einen jeden Flaschenzapfen - wächst in einem geographisch eng begrenzten Raum und weigert sich standhaft gegen etwaige Um- und Ansiedelungsversuche. Den grössten Nutzen vermag diesem Umstand Portugal abzuringen, das mit einem Drittel der globalen Anbaufläche (rund 700 000 Hektaren) und der Hälfte der Korkproduktion den Markt uneinholbar dominiert. Auf den Rängen folgen Spanien, Algerien, Marokko, Tunesien, Italien und Frankreich - der Rest der Welt ist, was den Wuchs der störrischen Korkeiche anbelangt, Ödland.

Vor allem die aufstrebenden Weinbaugebiete in Amerika, Südafrika und Australien lassen mit ihren Bestellungen die Lagerbestände der Korkproduzenten rund ums westliche Mittelmeer arg schrumpfen. Um die Nachfrage überhaupt noch decken zu können, werden auf vielen Eichenhainen die Ernteintervalle verkürzt, was zwar kurzfristig die Ausbeute steigert, die Qualität der Rinde und somit des Zapfens indes beträchtlich schmälert. In Winzerkreisen spricht man angesichts des sinkenden Güteniveaus und der immer knapper werdenden Ressourcen mittlerweilen gar von einer veritablen Korkenkrise. Denn ist der Zapfen erst einmal nicht in Ordnung, ists auch der Wein bald nicht mehr. Die Reklamationen über verkorkste Flaschen und muffige Tropfen häufen sich jedenfalls im In- und Ausland. Allein im letzten Jahr, so hält eine aktuelle Studie der EU fest, landete europaweit Rebensaft im Wert von über 1 Mrd Fr. im Ausguss. Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass im Verkauf jede zehnte Flasche Wein unangenehm nach Kork riecht. «Das ist ein riesiges Problem, dem wir absolut machtlos gegenüberstehen», bringt Hansueli Pfenninger die momentane Situation der Winzer und Weinproduzenten auf den Punkt.

Der Önologe an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Wädenswil erachtet die Kontrollen, denen die Zapfenhersteller und ihre Produkte unterliegen, als unzureichend. Zu viel Ware minderer Qualität finde Tag für Tag den Weg zu den Abfüllbetrieben. Den Schaden, so Pfenninger, hätten letztlich die Weinproduzenten zu tragen: «Riecht eine Flasche nach Zapfen, ist für den Kunden in neunundneunzig von hundert Fällen der Weinproduzent daran schuld.»

Alternative Kunststoff

Um des Problems der muffigen Stopfen Herr zu werden, diskutieren Weinproduzenten in aller Welt den Einsatz von Alternativverschlüssen. Klar ist, dass die herkömmlichen Zapfen aus Naturkork bald aus den Flaschen des unteren und mittleren Preissegmentes verschwinden werden; unklar hingegen, welcher Ersatz für den Wein am bekömmlichsten ist.

Bei Coop, einem der drei grössten Schweizer Abfüllbetriebe, will man künftig vermehrt auf Drehverschlüsse setzen. «Bei Weinen, die rasch konsumiert werden, ist das kein Problem», sagt Coop-Sprecher Klaus Weisskopf. Edle Tropfen jedoch sollen auch weiterhin traditionell verzapft bleiben. «Wein ist Kultur, und für viele Geniesser gehört zu dieser Kultur halt auch ein Zapfen», so Weisskopf. Genug von schwankender Qualität und steigenden Zapfenpreisen hat man bei der Staatskellerei Zürich. Der Betrieb, eine Mövenpick-Tochter, ersetzt bei einem Drittel von insgesamt 400000 Flaschen des Jahrganges 2000 den natürlich gewachsenen Korken durch einen maschinell gefertigten Presskorken. Mit 20 Rp. pro Stück ist dieser im Einkauf nur halb so teuer wie ein herkömmlicher Zapfen. «Der Wein bleibt garantiert von Nebentönen verschont und kann sich optimal entfalten», hebt Ueli Eggenberger, Direktor der Caves Mövenpick, einen weiteren Vorteil des Pressstopfens hervor.

Nehmen Weinliebhaber den Einsatz von Schraubdeckeln und zusammengeklebten Granulatzapfen noch einigermassen hin - mit den als revolutionäre Neuerung angekündigten Kunststoffpfropfen können sie wenig bis gar nichts anfangen. Seit Jahren sind sie ein Thema, selbst renommierte Weingüter schrecken inzwischen nicht mehr davor zurück, Rot und Weiss mit Plastikstöpseln zu verschliessen.

Ein Umschwenken auf Kunststoff wurde auch in den Kellern von Mövenpick schon diverse Male erwogen: «Wir haben bereits kleinere Serien einem Test unterzogen», sagt Ueli Eggenberger, «das Resultat konnte uns aber nie überzeugen.» Wie beim Korkzapfen seien auch bei der Qualität der gelieferten Kunststoffverschlüsse grosse Unterschiede festgestellt worden. «Man merkt, dass da einige Hersteller vielleicht eine Ahnung von Kunststoff haben, nicht aber von Wein», so Eggenberger.

Vorbehalte gegenüber den synthetischen Verschlüssen macht auch Hansueli Pfenninger. Zwar könne das Risiko von unangenehmen Nebentönen auf ein Minimum reduziert werden, insbesondere bei Weinen, die nicht länger als zwei Jahre eingelagert werden - ein Fragezeichen hingegen setzt der Önologe hinter die Verwendung von Weichmachern im Kunststoffstopfen. Ob und wie sich diese mit der Zeit auf den Wein auswirken, sei unklar. Noch fehlten Resultate aus Langzeitversuchen.

Bis die weltweite Korkenkrise überstanden ist, dürfte also noch einiger Wein die Kehlen heruntergeflossen sein.

Weinkonsum in der Schweiz

(in Mio Litern)1995/961996/971997/981998/991999/00
Gesamt292.7294.4292.9295.9297.2
inländisch118.8120.6117.5122.2125 0
ausländisch173.9173.8175.3173.4172.2
Quelle: Bundesamt für Landwirtschaft

Autor: Flavian Cajacob - Handelszeitung


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