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Mark Schumacher - Sein Leben dreht sich ständig um Champagner

Der Generaldirektor von Veuve Clicquot hält Mass, damit er jederzeit seiner Kundschaft die Vorzüge des Champagnertrinkens gekonnt erläutern kann.

Sein Korb füllt sich rasch, denn die Traubenschere liegt Mark Schumacher gut in der Hand, wie dem Generaldirektor von Veuve Clicquot überhaupt alles gelingt, was sich zwischen Traube und Tafel abspielt. Wir knien im Herz der Weinberge der Montagne de Reims; seit drei Tagen ist die Ernte der Sorte Pinot Meunier im Gang, Pinot-Noir und Chardonnay folgen. Alle drei Traubensorten machen den Champagner von Canard-Duchêne, seit 1978 zu Veuve Clicquot gehörend, zu einem Genuss. Auch in Zukunft: Im tiefen, weitläufigen Kreidekeller von Canard Duchêne lagern und reifen bei 10 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit 10 Mio Flaschen heran.

Auffallend ernst

Generaldirektor Mark Schumacher kehrt nicht den Geschäftsmann heraus, wenn er sich mit Wein beschäftigt, er ist vielen eher ein Kumpel. Auffallend ist seine Ernsthaftigkeit: Ob er kostet oder Fakten erzählt - nach Grossbritannien und Deutschland ist die Schweiz der drittgrösste Exportmarkt für das Haus Canard Duchêne, das jährlich 4 Mio Flaschen produziert -, immer ist Schumacher ganz bei der Sache. «Was ich tue, mache ich richtig oder gar nicht. Meine Leistungsbereitschaft geht so weit, dass ich mich schlecht zwischen mehreren Aufgaben aufteilen kann. Ich erledige Dinge nacheinander, nicht miteinander.»

Typisch Mann, denkt Frau. Untypisch mag seine Liebe zur Hausfarbe Orange sein. In seiner Arbeitswelt in der Nähe des Flughafens Genf dominiert der von Veuve Clicquot patentierte Farbton in einem Ausmass, dass er schon fast penetrant wirkt. Denn Orange blendet. «Früher fand ich die Farbe Orange altbacken», gesteht Schumacher. «Heute empfinde ich sie als schön und warm.» Bei einem so schwierigen Namen wie Veuve Clicquot müsse die Markenidentität visuell statt verbal hergestellt werden, liefert Schumacher eine rationale Erklärung nach. Aus diesem Grund sei die Etikette seit 20 Jahren nicht verändert worden.

Und noch etwas fällt in seinem Büro auf: Ein Monument aus Koffern und Flaschen, gefüllt mit Süssigkeiten, erinnert daran, dass es Mark Schumacher immer wieder in die Welt hinauszieht. «Dieser Schrankkoffer reist bei jedem Stellenwechsel mit», schmunzelt der CEO.

Bei und mit Swatch gross geworden

Sein grösster Coup dürfte sein Einsatz als Marketingmann für Swatch gewesen sein. Er half mit, die Olympischen Sommerspiele 1996 von Atlanta zu vermarkten; er liess 1200 Gäste in die amerikanische Olympiastadt einfliegen. Damals hat er selber fast olympische Leistungen erbracht. «Wir liefen drei Jahr lang einen Marathon. Jeder Tag zählte. Es gab nur ein Ziel, nur eine Zeit und keine Verschiebung.» Man habe in drei Jahren sechs neue Kollektionen auf den Markt gebracht, erzählt Schumacher mit Stolz. Danach habe er gedacht: «Mich kann beruflich nichts mehr erschüttern.»

Zuvor vertrieb er vorübergehend luxuriöse Gartenmöbel. Sein Berufsweg hatte bei der damaligen Kreditanstalt in Luzern seinen Anfang genommen, doch danach machte er eine «völlige Kehrtwende». «Ich fand meine Welt bei Swatch und lebte mit Feuer und Flamme für diese Marke. Nach zehn Jahren war ich einer der langjährigsten Mitarbeiter.» Warum blieb er nicht Bankangestellter? Der Freizeitreiter rollt die Augen. «Unmöglich. Ich muss mich identifizieren können mit einem Produkt, sonst kann ich nicht emotional arbeiten.» Ausserdem suche er das Risiko, er sei nicht gemacht für die Routine.

Heute entwickelt er im Team Dinge, die für die Champagnerindustrie eher überraschend sind. Beispielsweise die - natürlich orange-farbene - Magic-Box, die Verpackung einer Veuve-Clicquot-Flasche, die sich in allen Lebenslagen mit wenigen Handgriffen in eine Kühlbox verwandeln lässt. Fehlen nur noch die Eiswürfel ...

Aber vielleicht genügt ja die Fantasie der Möglichkeit, einen Augenblick zum Fest geraten zu lassen. Mark Schumacher ist privat selbst der Inbegriff eines Geniessers. Er schätzt Eleganz und kocht gerne, weil er am liebsten isst, was er zubereitet hat. Kochen sei entspannend, findet der Feinschmecker.

Als Gast trinkt Schumacher mit Mass. Ein Getränk müsse gut sein, kommentiert er seine Auffassung von Lifestyle, noch wichtiger aber sei die Stimmung. «Der Erfolg hängt von den Leuten ab, die man einlädt. Ich schätze es, wenn eine aufgestellte Atmosphäre herrscht.»

Mark Schumacher ist ein Netzwerker. Das macht seinen Job spannend. Er ist aber auch gerne allein. Momentan bringt er es allerdings nur auf einen halben Tag Freizeit pro Woche, an dem er Golf spielt. In den Ferien liest er mit Vergnügen Bücher und Zeitungen. Ausserdem lässt er sich von Film und Oper zu neuen Marketingideen inspirieren. Kurse besucht er keine. «Theorie zu büffeln funktioniert für mich nicht», gesteht er. «Ich bin ein typischer Praktiker. Ich muss mitten in der Situation stehen, um eine Lösung zu finden.»

Als jungen Mann verschlug es Mark Schumacher nach Spanien. «Ich war im richtigen Alter, um mit spannenden Aufgaben konfrontiert zu werden», erinnert er sich. «Beruflich wie privat erlebte ich die sprichwörtliche Freiheit, Ungezwungenheit und Jugendlichkeit des Südens.» Er sei eine seltsame Mischung zwischen «Schollenverbundenheit» und Kosmopolit, urteilt Schumacher. «Ich bin zwar in Emmen aufgewachsen, finde mich aber überall zurecht.»

Neu im Weingeschäft

Zurecht finden muss sich Mark Schumacher auch im Team. Seiner Gruppe gehören neu sechs Weinmarken und wie bisher die sieben Stammmarken (Champagner Krug, Veuve Clicquot und Canard Duchêne, der Calvados Père Magloire, der Cognac Hine, der Liqueur Marie Brizard und der Armagnac Larressingle), aber nur 17 Verkaufs-, Marketing- und Administrations-Fachkräfte an. «Wir stossen an unsere Kapazitätsgrenze», erklärt der Generaldirektor. «Delegieren kann ich, aber es braucht Personal dazu.» Seine Hauptfragen seien: «Wie viel kann ich in einem Tag managen? Und wie motiviere ich Personal und Konsumenten?» Das Problem sei die Diversifikation, erläutert der Single seine Arbeitsbelastung. «Jede Marke hat komplett andere Bedürfnisse und braucht spezifische Betreuung.»

Luxusgetränke lebten von Geschichte und Geschichten, erzählt Mark Schumacher. «Qualitatives Marketing ist eine grosse Herausforderung.» Unabdingbar sei es, das Produkt zu fühlen. «Technik und Chemie kämen daher nie in Frage für mich. Ein Produkt muss mit Lifestyle verbunden und irgendwie einzigartig sein.» Bei Veuve Clicquot scheints zu klappen: Mark Schumacher hat den Umsatz in drei Jahren verdoppelt sowie das Ergebnis verdreifacht und damit aus der Verlustzone geholt. Als Begründung für frühere Verluste verweist Schumacher auf die Rezession: «In den 90er Jahren rutschte der ganze Champagnermarkt in die Krise. Die Löhne stiegen und die Strukturen blieben gleich gross, während die Umsätze sanken.»

Die Philosophie hinter seinem Erfolg: «Die Quantität unserer Champagnermarken ist begrenzt. Also müssen wir uns bemühen, ihre Qualität zu steigern, zum Beispiel durch längere Lagerung.» Am Durst in der Schweiz mangelt es nicht: Unser Land verzeichnet den europaweit hohen Umsatz von 1,1 Flaschen pro Kopf und Jahr. «Die Schweiz ist genussfreudig, der Markt gut durchdrungen, wenn auch gesättigt», freut sich Mark Schumacher.

Am Champagner gefällt dem guten Kommunikator und disziplinierten Organisator, dass er Luxus verkörpert, aber trotzdem unter der Woche genossen werden kann. Mark Schumacher trinkt in Gesellschaft nur so viel, dass er die Qualitäten des Getränks erläutern kann. Ein «Wine & Dine» bedeutet für ihn Arbeit. «Meine Zuhörer dürfen sich gehen lassen und auch mal ein Glas zu viel trinken. Ich aber lebe wie ein Sportler.» Er müsse bei jedem Auftritt optimal wirken, erklärt Schumacher seine Selbstdisziplin. «Ich treffe bis zu vier Kunden oder auch eine ganze Gruppe im Tag. Sie sehen mich einmal im Jahr. Also muss ich überzeugend wirken.»

Wer mit Wein arbeite, müsse sich laufend testen, ob er noch eine gesunde Distanz habe zum Produkt, denn er sei gefährdet, betont Mark Schumacher und spielt auf Vertreter wie Wirtsleute an, die zum eigenen besten Kunden werden. «Man darf nie vor einer halbvollen Flasche sitzen bleiben und nicht nach dem Grundsatz leben: 'Einisch isch keinisch'. Um meine Leistung zu erbringen, muss ich fit und frisch sein.»

Über die Festtage - damit demnächst - fassen viele Menschen neue Vorsätze. Welches sind die nächsten Ziele des Mark Schumacher? Der Marketingprofi freut sich über die Frage und stellt eine Reihe leerer Flaschen auf, um die neuen Produkte der Gruppe zu präsentieren. «In Ermangelung eines weiteren Millenniums- oder ähnlicher klassischer Champagner-Anlässe haben wir uns für ein Wein-Portefeuille entschieden und erwarten entscheidende Impulse von Weinen aus der Neuen Welt.» Man wolle langfristig in gute Tropfen aus Kalifornien, Südafrika, Australien, Neuseeland, Chile und Argentinien investieren, so Schumacher und verweist auf eine Hand voll poetisch gestalteter Etiketten. Die anvisierten Weine sind im Preis sehr hoch positioniert.

Stimmt die Qualität? Hat der bisherige «Champagner-König» schon alle diese Provenienzen bereist? Er verneint bedauernd. «Ich hatte leider noch keine Zeit dazu. Momentan sind wir noch am Diskutieren und Degustieren.»

Steckbrief

Name: Mark Schumacher
Geboren: 1960 in Emmen-Luzern
Zivilstand: Single
Wohnort: Genf
Ausbildung: KV plus HWV Luzern
Funktion: Generaldirektor Veuve Clicquot (Suisse) SA

Schlagworte

UMSATZ
«Zahlen stehen in diesem People-Business nicht im Vordergrund. Das beste Produkt kommt nicht an, wenn die menschlichen Beziehungen nicht stimmen.»
MOTIVATION
«Das Heikelste an meiner Aufgabe ist, dass ich immer Lust haben muss, auf Leute zuzugehen. Ich kann mir wie ein Diplomat keinen Fauxpas leisten.»
TRINKEN
«Ich halte Mass, weil ich wegen meiner Arbeitsüberlastung zu wenig schlafe.»
GESCHLECHTER
«Im Champagner-Verkauf arbeiten wenig Frauen, denn sie sind benachteiligt. Gehen sie zu sehr auf den Kunden ein, wirken sie unglaubwürdig. Halten sie Distanz, machen sie ein schlechtes Geschäft.»

Autorin: Alice Baumann - Handelszeitung



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