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Vernatsch - die Quelle des Kalterersee

«Die Hügel am Fusse der Berge sind mit Wein bebaut. Über lange, niedrige Lauben sind die Stöcke gezogen; die Trauben hängen gar zierlich von der Decke herunter und reifen an der Wärme des nahen Bodens.» So notierte Johann Wolfgang von Goethe, auch dem Wein sehr zugetan, auf seiner «Italienischen Reise», als er im Jahr 1786 die Weingärten Südtirols durchquerte. Und was er da beschrieb, war eine Erziehungsform der Rebe, die heute noch in weiten Teilen des Anbaugebiets praktiziert wird: der Pergelbau.

Die in grossem Abstand gepflanzten Weinstöcke werden an einem Holzgerüst hochgezogenund bilden schon nach wenigen Jahren ein dichtes Dach. Im Schatten der Laubgänge unter den Trauben weiden die Schafe oder ruhen sich die Verliebten aus. Die moderneren Drahtanlagen sind weniger anmutig, aber praktischer zu bearbeiten, und die Trauben hängen tiefer und nützen die Wärme des Bodens weit besser aus.

«Vinum de Caldario», Wein von Kaltern, ist erstmals 1220 urkundlich erwähnt, und vermutlich hat es sich um «Farnatzer» gehandelt, wie aus Vernatsch-Traube gekelterter Wein im Mittelalter hiess. Mit den verschiedenen Spielarten bildet der Vernatsch seit je die Grundlage der bekanntesten Südtiroler Rotweine: Südtiroler Vernatsch, Kalterer oder Kalterersee, St. Magdalener, Bozener Leiten. Die heutigen Stars aus Südtirol heissen Lagrein, Cabernet und Merlot. Wasserträger ist und bleibt der Vernatsch. Rund 2500 Hektaren, knapp die Hälfte der gesamten Rebbaufläche Südtirols, sind mit ihm bestockt. Früher waren Mittelvernatsch, Grauvernatsch, Kugelevernatsch, Tschaggele- oder Kleinvernatsch und wie die Familienmitglieder alle heissen im Weinberg, meist im Mischsatz vertreten. Die für die Weinqualität interessante Vielfalt wurde in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch den forcierten Anbau des ertragreichen Gross- oder Edelvernatsch geopfert. Der Wind hat gedreht: Heute setzen die Winzer wieder vermehrt auf kleinbeerige Varietäten wie den Tschaggele- Vernatsch.

Wird die Rebe nicht bis zum letzten Tropfen gemolken, zeigt der Vernatsch, woher er stammt. Am kräftigsten sind die Gewächse aus den Lagen von St. Magdalena, zartfruchtig die Weine aus den Meraner Hügeln, besonders mild die Bozener Leiten. Der Grossteil der Vernatsch-Gewächse stammt aus einem bis ins Trentino reichenden Anbaugebiet und gelangt als Kalterer oder Kalterersee auf den Markt. Im benachbarten Trentinoist keine Rotweinsorte verbreiteter als der Vernatsch. Hier, im italienischen Sprachraum, heisst er «Schiava», Sklavin. Einen Namen, der zu weniger Missbrauch einlädt, trägt der Vernatsch in Deutschland: Trollinger, eine Bezeichnung, die vermutlich vom Wort Tirolinger abgeleitet wurde. 2500 Hektaren stehen in Ertrag, fast ausschliesslich in Württemberg, wo Trollinger als «schwäbisches Nationalgetränk» gilt. Die tannin- und säurearmen Trollinger, Schiava und Vernatsch trinken sich gut und gern kühl.

Stefan Keller - NZZ



Geschichte

Die römischen Geschichtsschreiber waren es, die oft und sehr gründlich vom Weinbau im Etschland berichteten. Bei den Lepontiern, Camunern, Stönern und Tridentinern wächst der rätische Wein, der den besten römischen Sorten nichts nachgibt (Strabo). Dann erschloss die von den Römern erbaute Via Claudia Augusta, die grosse Verbindungsstrasse, die aus der Poebene herauf durch das Unterland und Überetsch über den Vinschgau zu den Städten nordseits der Alpen führte, das Gebiet.

Die ersten Weintransporte gelangten über die neuen Strassenverbindungen bis an den Hof der römischen Kaiser, wo sich nicht nur Augustus an den vorzüglichen Tropfen aus dem alten Rätien erfreute. Kaiser Tiberius liess der Erzählung nach sogar den heute noch bestehenden Weinhügel Kastelaz bei Tramin von seinen Soldaten bewachen, damit die köstlichen Trauben nicht gestohlen wurden.

Der Wein wurde von den Rätern in hölzerne, mit Eisenreifen beschlagene Fässer abgefüllt und auch in diesen transportiert. Ein Umstand, der Aufsehen erregte und auf den besonders Plinius, der grosse Geschichtsschreiber jener Zeit, hinweist. Zum Aufbewahren und zum Transport der Weine verwendeten die Römer damals nämlich irdene Amphoren und lederne Schläuche.

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches liessen sich die Goten und später die Langobarden im Etschtal nieder und ab dem 8. Jahrhundert begannen die fränkischen und bayrischen Klöster, sich in der Gegend Weingüter für ihren Bedarf zu erwerben. Besonders die Traminer Weine traten in dieser Zeit ihren ersten Siegeszug an und galten an den deutschen Fürstenhöfen als besonders edler Trunk.

Die deutschen Kaiser, die zu ihrer Krönung nach Rom zogen, lernten auf ihren Reisen den Südtiroler Wein kennen und schätzen. Und unter Österreich, zu dem Südtirol über 600 Jahre lang gehörte, wurde der Südtiroler Weinbau ganz besonders gefördert. Im Jahre 1915 erreichte die Anbaufläche ihr grösstes Ausmass von rund 10.000 Hektar.

Nach dem fast vollständigen Zusammenbruch des Weinbaus aufgrund der Reblauskatastrophe gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erholte sich die Weinwirtschaft in Südtirol überraschend gut. Die Annexion Südtirols durch Italien im Jahre 1919 stürzte die heimische Weinwirtschaft jedoch in eine tiefe Krise. Einerseits musste man sich nun gegen die enorme italienische Produktion behaupten, andererseits verlor man die traditionellen Absatzmärkte in Österreich und Deutschland.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich die Südtiroler Weinwirtschaft etwas erholen. Durch die steigenden Obstpreise wechselten aber immer mehr Weinbauern zur Obstwirtschaft. Dieser Trend setzte sich bis in die 80er-Jahre herauf fort. Da begann für Südtirols Weinwirtschaft ein neuer entscheidender Abschnitt. Qualität anstatt Quantität, sowohl im Weinberg als auch im Keller, das schrieben sich Südtirols Weinbauern und Kellermeister nunmehr auf ihre Fahnen. Der Erfolg gibt ihnen recht und Mühen und Einsatz haben sich gelohnt. Heute steht Südtirols Weinbau nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Vergleich ganz vorne mit an der Spitze.

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