Italien

Kunst

Kultur

Lifestyle

Kulinarisches

Wein

Grappa

Home
Italien
Kunst
Kultur
Lifestyle
Kulinarisches
Wein
Grappa

UNESCO Welterbe
Schweiz

Irak
Italien
Marokko
news defusco.ch
Vom Aschenputtel zum Kultobjekt - Die Erfolgsgeschichte des italienischen Weines

Welches Ansehen italienischer Wein in Deutschland geniesst, zeigt ein einfaches Gedankenspiel. Wer - sagen wir - vor 15 Jahren zum Essen mit italienischen Weinen einlud, signalisierte folgendes: es sollte unkompliziert zugehen, die Atmosphäre leger sein, der Wein nicht im Mittelpunkt stehen; man war nicht bereit, viel Geld auszugeben. Ganz anders heute: Der Betreffende liegt mit seiner Auswahl im Trend, signalisiert Kommunikationsfreude, Grosszügigkeit und Qualitätsbewusstsein. Bei aller Lockerheit zeigt er sich, unabhängig vom tatsächlichen Preis des Weines, als anspruchsvoll bei seiner Wahl.

Es überrascht deshalb nicht, dass Weine aus Italien seit Ende der 80er Jahre auf dem deutschen Markt ungemein erfolgreich sind. Ob im Fachhandel, im Lebensmittelhandel oder beim Discounter, sie sind nicht nur präsent, sie sind die Umsatzrenner. Das waren sie auf der Billigschiene schon vor 20, 25 Jahren, neu aber ist, dass sie in Deutschland beim anspruchsvollen Verbraucher und dessen Einkaufsquellen so gut vertreten sind. Ausnahme ist die deutsche Spitzengastronomie. Hier haben sich die Grappe durchgesetzt, nicht jedoch die hochwertigen Weine.

Italien steht an erster Stelle bei den Weinimporten, umgekehrt ist Deutschland der wichtigste Exportmarkt für italienische Weine. Das war zwar schon Ende der 70er Jahre so, nur verkauften sie sich damals in erster Linie über den Preis. Seit Ende der 70er Jahre sind die Importe fast ständig gestiegen - und die Preise, und dies weit oberhalb der Inflationsrate. Ein Zeichen dafür, dass immer mehr hochwertige Weine nachgefragt werden. Preise über 20 DM für einen Chianti Riserva sind normal, ebenso 30 bis 60 DM für einen Barolo oder einen Brunello. Und das nicht bei einigen wenigen spezialisierten Händlern, sondern bis hin zu den Weinabteilungen der Kaufhäuser.

Nicht nur die Qualität ist vorbildlich, sondern auch die Präsentation. Die Italiener waren wohl die ersten, die der Ausstattung ein besonderes Augenmerk widmeten. Das gilt zunächst einmal für die Etiketten, die früher handgestrickten und teils ausgesprochen hässlich waren und dann abgelöst wurden von sehr geschmackvollen, oft von Designern entworfenen Exemplaren. Aber auch die Korken sind bei den führenden Erzeugern im internationalen Vergleich wohl im Schnitt die besten, und gleiches gilt für die Flaschen.

Der Erfolg wäre übrigens deutlich später gekommen, hätte es nicht eine bestimmte Gruppe von Weinhändlern gegeben, die zu Beginn der 80er Jahre verstärkt mit dem Import begannen. Es waren Personen mit überwiegend akademischem Abschluss, die sich statt des studierten Berufes dem Weinhandel widmeten. Sie wollten die neuen italienischen Weine führen, waren offen für Entdeckungen. Als Aussenseiter auf dem deutschen Markt hatten sie keine Vorurteile gegenüber den unbekannten italienischen Qualitätsweinen. Erst nach und nach entdeckte der klassische Importhandel diese neue Weinwirklichkeit. Doch alle diese Anstrenungen konnten nur deshalb erfolgreich sein, weil sich der italienische Weinbau in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend geändert hatte.

Der Wandel

Kein Weinland, dem auch nur einige Bedeutung zukommt, hat innerhalb so kurzer Zeit einen so tiefgreifenden Wandel vollzogen wie Italien. Die oft jahrhundertealte Tradition französischer oder auch deutscher Weine sucht man in Italien vergebens. Sicher, einige Namen wie etwa der des Chianti sind alt - nicht jedoch die von Erzeugern. Es gab auch schon im 19. Jahrhundert Anregungen zu Verbesserungen, aber es waren Einzelfälle. Und spätere Anstrengungen wurden durch die sich ausbreitende Massenproduktion in den 50er Jahren zunichte gemacht. Faktisch war noch vor 30 Jahren Qualitätswein unbekannt, oder besser: es gab ihn kaum. Wein war mehr Nahrungsmittel denn Getränk und schon gar nicht eins, dem man besondere Aufmerksamkeit schenkte. Er wurde entweder selbst erzeugt oder in grossen Glasballons, den "damigiane", bei Winzern der Gegend gekauft. Auf Flasche vermarktet wurde er meist nur von Handelshäusern, es dominierte der offen verkaufte Wein. Entsprechend wenig Aufmerksamkeit schenkten die meisten Winzer der Qualität. Auch der Export, der heute so wichtig ist, spielte kaum eine Rolle, und wenn, dann ging es meist um Massenprodukte.

Ganz anders heute. Sicherlich, Massenweine bestenfalls genügender Qualität gibt es weiterhin, doch ihr technischer Standard hat sich deutlich gebessert. Die plumpen, fehlerhaften, oxydierten Weine der Vergangenheit gibt es kaum noch. Auf beiden Seiten, bei den Erzeugern wie bei den Käufern, hat sich ein Qualitätsbewusstsein entwickelt. Immer mehr Käufer fragen bewusst nicht nur nach einem bestimmten Typus, also etwa nach Barolo, Chianti oder Soave, sondern nach dem Wein eines bestimmten Erzeugers, aus einer ganz bestimmten Lage und eines bestimmten Jahrgangs.

Eine nicht unbedeutende Rolle bei dieser allgemeinen Geschmacksverfeinerung spielt übrigens die Gastronomie: Denn jedes Restaurant, das etwas auf sich hält, führt heute eine gut sortierte Weinkarte. Hier bekam man die Anregungen, die die wenig kritische Weinpresse und der sich erst in den letzten Jahren etablierende Fachhandel nicht hatten vermitteln können.

Toskana: das Labor, in dem alles begann

Die erste Region, in der sich das italienische Weinwunder auf breiter Ebene bemerkbar machte, war die Toskana, genauer gesagt, das Gebiet des Chianti Classico. Hier gab es einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit. Alle Elemente des neuen Weinbaus wurden konsequent angewandt. Nicht mehr die schiere Menge war interessant, sondern ein individueller Wein, der die Eigenschaften der Reben und des Bodens zum Ausdruck bringt, war das Ziel. Niedrige Hektarerträge und Sauberkeit im Keller waren die wesentlichen Mittel. Konsequenz auch im Verkauf: An der Ausstattung wurde nicht gespart, schliesslich sollte sie das Neue symbolisieren.

Dass die Entwicklung in der Toskana begann, ist nicht weiter verwunderlich, denn es waren vor allem Personen von ausserhalb des Anbaugebiets, teils auch aus dem Ausland, die sich hier, angezogen vom kulturellen Flair, ein kleineres Gut kauften. Die meisten waren zuvor in anderen Bereichen wirtschaftlich erfolgreich und verfügten dementsprechend nicht nur über die finanziellen Mittel, sondern waren zielstrebig und phantasievoll zugleich. Damit floss das notwendige Kapital in die Region. Qualität, die sich vermarkten liess, war angestrebt, nicht der Verkauf billiger Massenware. Veränderungen brauchen Zeit und setzen Investitionen voraus. Aber Geld und Ideen, so wichtig sie auch sein mochten, reichten allein nicht, hinzukommen musste das nötige Fachwissen, das die neuen Inhaber nicht hatten. Entsprechend wurden Fachleute engagiert: Beratende Önologen wie Bernabei, Castelli oder Fiore prägen heute das Bild des toskanischen Weinbaus.

Obwohl man den Chianti grundlegend verändern und verbessern wollte - Vorreiter des neuen Stils waren zunächst die Vini da tavola. Denn hier konnten neue Ideen in die Tat umgesetzt werden, ohne dass gesetzliche Produktionsstatuten ein Hemmnis bildeten, ob es nun um die Rebzusammensetzung ging oder den Ausbau im Barrique. Es wäre aber verkürzt, diese Entwicklung - wie es häufig geschieht - damit zu erklären, dass das damalige Statut einen hohen Weissweinanteil vorsah. So streng wurde es nämlich nicht ausgelegt, Verstösse wurden selten verfolgt. Der erste Tignanello etwa unterschied sich hierin nicht von dem Chianti Classico Riserva von Castello di Uzzano. Mit solchen hochwertigen Tafelweinen, die natürlich unter Phantasienamen verkauft wurden, profilierten sich die Winzer. Die Angebotspalette wurde erweitert, und dem ersten roten Tafelwein folgte bald ein weisser, vorzugsweise ebenfalls im Barrique ausgebaut.

Die gleiche Aufmerksamkeit wird heute dem hochwertigen Chianti geschenkt. Die Erträge sind bei den führenden Gütern niedrig, die Vinifikation sorgfältig. Der Stil hat sich geändert, ist internationaler geworden. Die Weine sind runder, kräftiger, und nicht wenige Riserve werden für einige Zeit im Barrique ausgebaut. Der einstige Mischsatz aus den einheimischen roten Reben Sangiovese und Canaiolo mit Zugabe der weissen Malvasia und Trebbiano ist in der Spitzengruppe entweder einem reinsortigen Sangiovese gewichen oder man mischt Sangiovese mit internationalen Rebsorten wie Cabernet und Merlot. So manches Gut bietet inzwischen mehrere Chianti an, neben der Annata und der "normalen" Riserva noch eine Riserva aus einer Einzellage.

Der Ruf des Chianti ist inzwischen so hoch, dass die hochwertigen Tafelweine ihre Funktion als Flaggschiff verloren haben. Ausserdem sind sie so zahlreich geworden, dass kaum noch jemand sie korrekt zuordnen kann. Mehrere Winzer wollen deshalb ihren Tafelwein künftig als Chianti Riserva, also als DOCG-Wein, vermarkten - was mit dem flexiblen neuen Statut für einen Gutteil der roten Vini da tavola im Chianti von der Rebzusammensetzung und dem Ausbau her möglich sein wird ...

Von Christa Klauke



  • Abruzzen
  • Aostatal
  • Apulien
  • Basilikata
  • Emilia Romagna
  • Friaul
  • Kalabrien
  • Kampanien
  • Latium
  • Ligurien
  • Lombardei
  • Marken
  • Molise
  • Piemont
  • Sardinien
  • Sizilien
  • Toskana
  • Trentino
  • Umbrien
  • Venetien


  • Google
    Web defusco